Das Katzen-Begräbnis

Es war schon dunkel an diesem Wochentag, als es bei Familie W. in Wengern an der Haustür heftig schellte. Die Nachbarin erzählte aufgeregt und fast heulend, dass die Katze der W.s gerade überfahren worden sei. Sie läge tot auf der Straße. 17 Jahre lang hatte das Tierchen der Familie die Treue gehalten, nun so ein tragischer, dummer Abgang. Denn eigentlich war die schwarz-weiße Katze an Straßenverkehr gewohnt und gab acht.

Jetzt lag sie platt wie eine Flunder in der Gosse. Vater W. beschloss, das Tier sofort zu begraben. Um es sich einfach zu machen, riss er einen Rhododendren-Busch, der eh entfernt werden sollte, aus der Erde, schaufelte das Loch etwas tiefer und legte die verstorbene Miezi hinein. Vater, Mutter und die beiden Kinder umringten, mit Kerzen bestückt, das Grab ihres geliebten Kätzchens, vergossen heiße Tränen und wünschten ihrem Stuben-Tiger eine gute Reise in den Katzenhimmel.

Sehr spät kam die Familie an diesem Abend ins Bett. Schwer waren die Herzen und so aufgewühlt wollte der Schlaf nicht kommen.

Am nächsten Morgen blickte Mutter W. von der Küche aus in den Garten auf das frische Grab – und traute ihren Augen nicht. Auf dem Erdhügel saß ihre Miezi und putzte sich den Morgentau aus dem Fell.

Da hatte man im Dunkeln wohl feierlich eine fremde Katze begraben. Und jetzt fragt man sich, wer die wohl vermisst.

Schönen Sonntag!