Deutschland ganz gruselig

Im Hinterwald ist es duster, gestrig, muffig, verstaubt und unterbelichtet. Das weiß jeder, der einen Hinterwäldler kennt.

Während es dieses berühmte Hinterwald ganz klar in unseren Köpfen gibt, suchen wir es auf der Landkarte – natürlich – vergeblich.

Dafür gibt es jede Menge andere, wahrhaft gruselige Namen von tatsächlichen Orten in Deutschland, wo kein Mensch wohnen will – sollte man meinen. Und doch werden im Osten Deutschlands Kinder geboren, die kommen laut Geburtsurkunde aus Grauwitz oder Grauwinkel, Kummersheim, Trüben oder gar Scherzke. Die armen Würmchen! Da ist die Seelen-Pein doch programmiert!

Sie sind in ihrem Kummersdorf – äh – Kummer aber nicht allein. In anderen Regionen sieht es nicht besser aus. Stellen Sie sich vor, sie lernen jemanden kennen, der aus Langweiler stammt. – Der arme Mensch muss doch sein Leben lang dafür kämpfen, ernst genommen zu werden. Da geht es denen aus Leidenborn und Leideneck oder gar Leidingen nur wenig besser. Auch wer in Lieblos oder Leider wohnt hat gewisse Glaubwürdigkeitsprobleme.

Dumme Sprüche wegstecken müssen notgedrungen die Leute aus Motzen, aus Grauen, aus Bitter, aus Wimmer, aus Dumpf oder aus Schrecksbach und dem benachbarten Todenhausen.

Nicht alle Einwohnerinnen und Einwohner von bestimmt schönen Orten wie Todenfeld, Schreckenberg, Schreck, Todesfelde, Todendorf, Todhof, Grausendorf, Wimmeröd, Leidenberg oder Qualburg sind Söhne und Töchter von Graf Dracula.

Und auch in Motzenhofen, Schlimmerstätt, Grausendorf Ödmiesbach und Trübenbrunn wohnen ganz normale Leute mit vernünftiger Schulbildung, anständigem Beruf, geregeltem Einkommen, harmonischen Familienbanden und heiterem Gemüt. Selbst in Jammermühle geht es nicht nur jämmerlich zu und sogar in Tristolz und Stumpföd kann es so schlimm gar nicht sein wie es sich anhört.

Besonders in Bayern wimmelt es von gruseligen Ortsnamen. Am Ende ist alles nur Tarnung: Die Einwohner haben den hübschesten Orten die hässlichsten Namen gegeben, um ungestört unter sich zu bleiben. Wenn diese Vermutung stimmt, sollte mancher Ortsvorsteher oder Bürgermeister in Ostdeutschland schleunigst über eine Umbenennung seines sich allmählich entvölkernden Kaffs nachdenken.

Schaurig schönen Sonntag bis hinunter nach Oberholzklau und ostwärts bis Kummerow!