Die Krönung

Familienvater Philipp wollte mit seiner italienischen Ehefrau und dem gemeinsamen deutsch-italienischen Nachwuchs ab Düsseldorf ins wärmere Italien fliegen. Um der zahlreichen Verwandtschaft nicht allzu sehr auf die Pelle zu rücken, hatten Philipp & Co. unter hoffentlich milderem, blauerem Himmel eine Ferienwohnung gemietet.

Ehefrau Gina hatte fast alle Koffer gepackt. Aber Philipp hatte eigene Vorstellungen, was für die kommenden Ferientage unverzichtbar sein würde. Er packte deshalb einen der Koffer selber. Der Weltempfänger musste mit, vorsichtshalber der heimische Dosenöffner – und ein Klappstuhl. Man weiß ja nie.

Ginas Name prangte auf den Etiketten der Gepäckstücke. Nach der Abgabe im Düsseldorfer Flughafen rief man sie auf. Danach wurde die ganze Familie in barschem Ton vom Personal durch die Katakomben des Airports in den Sicherheitstrakt abgeführt. Hier hatten sich zwei vierschrötige Sicherheitsmänner neben ihren Koffern aufgebaut.

Da stand sie nun, eine verschüchterte Familie und wartete auf – die Bundespolizei.

Au weia! Philipps Coolness ging in Nullkommanix flöten. Kein Wunder! Wurden doch seine zaghaften Fragen, was die Herren denn eigentlich suchten, mit knallharten Sprüchen quittiert: „Halten Sie den Mund!“ oder „Wir stellen hier die Fragen!“

Die Uniformträger fielen über den Inhalt des Koffers her: Klappstuhl, Weltempfänger und Dosenöffner kamen zwischen Handtüchern, Socken und T-Shirts zu Tage. Aber eine verdächtige Substanz, die in der Sicherheitstechnik „Alarmstufe Rot“ ausgelöst hatte, wurde einfach nicht gefunden.

Bis – ja, bis einer der Herren den Reißverschluss der kleinen Seitentasche im Koffer-Innenfutter aufzog. Ans Licht kam: Ein Beutel küchenfertiger „Salatkrönung“. Garantiert nicht explosiv, dafür aber oberlecker. Ohne dieses harmlose Kräutersößchen will Philipp einfach sein Salat nicht schmecken.

Schönen Sonntag!