Einseitige Kurz-Auskunft

Kommt nicht oft vor, muss aber sein: Dickes Lob für den CSU-Mann Peter Ramsauer. Der Bundesverkehrsminister hat die Nase voll vom „Denglisch“ – der Verenglischung der deutschen Sprache.

Soeben ist der Südostbayer offiziell zum „Sprachwahrer des Jahres 2010“ ernannt worden. Was zuletzt bei der Bahn „Travel Management“ genannt wurde, heißt jetzt wieder „Reisestelle“. Die viel belachten „Service Points“ an den Bahnhöfen tragen künftig den schönen altbackenen Namen „Information“. Obwohl: Stopp mal! Das ist ja Latein! „Auskunft“ müsste es sauber heißen!

Wie in Ramsauers Mannschaft neuerdings der „Workflow“ heißt, wissen wir nicht. Auch nicht, ob aus einem „Meeting“ wieder eine gute alte „Sitzung“ oder „Besprechung“ geworden ist. Und ob das Klo (englisch!) oder die Toilette (französisch!) ab sofort Donnerbalken heißt, wissen wir auch nicht. Aber der drollige Ausdruck „Privat Public Partnership“, das sind Partnerschaften, bei denen Privatleute Geld vorschießen für öffentliche Projekte, ist abgeschossen. So etwas heißt fortan ÖPP – „Öffentlich-Private Partnerschaften“. Geht doch!

Ramsauer ist vorgeprescht und hat sich den Lorbeerkranz gepflückt. Aber es bleibt noch genug zu tun. Ob „Sale“ für „Ausverkauf“, „Give-away“ für „kleines Geschenk“ oder „To Go“ für „Zum Mitnehmen“, ob „No Go“ für „Das geht gar nicht“ bis hin zu „Must have“ für „Muss man unbedingt haben“ – in der deutschen Sprache wimmelt es nur so.

Ist alles gar nicht so schlimm, meinen Sie? Es ist noch viel schlimmer! Schickt doch soeben die Pressestelle des Landes NRW eine Meldung raus an alle Redaktionen im Land. Es geht darum, dass skandalöserweise die Frauen in NRW immer noch ein Viertel weniger verdienen als Männer. Diese unsägliche Schlucht zwischen den Gehaltstüten der Geschlechter heißt neudeutsch: „Gender Pay Gap“. Ist doch klar.

Mit diesem meinem kurzen Text ist es mir jetzt gelungen, einen verzwickten Sachverhalt ratzfatz darzustellen. Mein Gebrabbel hier passt auf nur eine Seite. Hurra: Mir ist somit ein echter „One-Pager“ gelungen.

Und Sie? Sie sind dadurch „gebrieft“! Das hat rein gar nichts mit deutschen Briefen zu tun. „Briefings“ sind – ganz englisch – wichtige Kurz-Auskünfte.

Have a nice sunday – äh, ich meine natürlich: Schönen Sonntag!