Eva im Dienst

Junge Frauen einzustellen, war schon immer preiswert, aber mit einem gewissen biologischen Risiko verbunden. Weibliches Nachwuchspersonal erweist sich meist als gelehrig und noch biegsam und lässt sich ohne große Mühe auf den „Geist des Unternehmens“ einschwören.

Junge Mitarbeiterinnen wollen selten etwas besser gewusst haben, geben weniger Widerworte und zetteln auch nur sehr gelegentlich Palastrevolutionen an. Denn meist werden sie zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr klammheimlich im tiefsten Innern eher vom Nestbau-Trieb als von Karriere-Lust angetrieben. Somit stiften sie normalerweise keine Unruhe auf der Weide der männlichen nachrückenden Platzhirsche.

Und: sie kosten auch im 21. Jahrhundert rund 30 Prozent weniger als ihre männlichen vergleichbaren Kollegen.

Bei Zeiten müssen sie dann leider ersetzt werden, dann nämlich, wenn sie anfangen zu brüten.

Neuerdings brüten aber immer weniger. Es wird für die Evas schwieriger und schwieriger, zur rechten Zeit einen passenden Partner für die Aufzucht aufzutreiben.

Schaffen sie das Unmögliche doch, scheiden sie zum Leidwesen ihrer verdutzten Arbeitgeber und sprachlosen Kollegen vermehrt mit ärztlichem Attest und sofortiger Wirkung komplett aus dem Arbeitsleben aus. Aber anders als früher, kommen sie zügig wieder, kaum dass sie abgestillt haben. Bei den modernen Häuslebauern und Gern-Fern-Urlaubern reicht halt ein einzelnes Gehalt nicht aus.

Ihr Stuhl bleibt dann in den kommenden Jahren jedoch öfters leer wegen der lieben Kleinen: Keuchhusten, Magen-Darm, Windpocken, Scharlach, Mittelohrentzündung, Läuse und so weiter und so fort

Aber Vorsicht! Arbeitgeber, die nun zu dem Schluss kommen, fürderhin nur noch Damen ab 45 einzustellen, haben die Zeichen der Zeit verkannt.

Die Evas von heute haben nämlich viele Frauen-Leben. Eins davon beginnt gerade erst in der Lebensmitte. Immer mehr von ihnen pflegen dann irgendwo ihre grauhaarigen, runzeligen „Kinder“: Früh morgens vor dem Büro, schnell in der Mittagspause, nach Dienstschluss und noch einmal abends eilen sie – wer denn sonst? -, um den Papa und die Mama zu füttern und zu wickeln.

Ein modernes Problem? Schon vor 200 Jahren sagte ein dänischer Dichter: „Die weibliche Natur ist wie das Meer: Sie gibt dem leisesten, schwächsten Druck nach und trägt doch die schwersten Lasten“.

Oweh, ehe es hier zu muttertäglich wird, rufe ich Ihnen lieber zu:

Schönen Sonntag!