Feines Gezücht

Die Anbauer versuchen, möglichst viel Profit rauszuschlagen aus dem edelsten der edlen Gemüse. Die einen basteln bisher noch vergeblich an einer vollautomatischen Erntemaschine für den „Held vom Feld“. Manche Landwirte träumen davon, die Erntezeit nach vorne zu verlängern, das Luxus-Gemüse eher aus der Erde zu locken, indem sie ihre Felder beheizen.

Ende Juni, rund um den Johannistag, ist immer Schluss mit den heißbegehrten Stangen. „Kirschen rot, Spargel tot“ sagt die Bauernregel.

Gerade läuft einem beim Anblick des ersten Spargels das Wasser im Munde zusammen. Hätten Sie geahnt, dass es weltweit rund 220 Arten gibt? Dass er, wenn man ihm nicht vorzeitig das Leben absticht, Beeren ausbildet, die scharlachrot und leicht giftig sind? Dass chinesische Ärzte ihn schon vor über 5000 Jahren als Heilmittel gegen Husten, Blasenprobleme und Geschwüre verordneten? Dass er noch bis ins 19. Jahrhundert als Arzneimittel eingesetzt wurde – etwa gegen Gelbsucht und dass man aus Spargelsamen Kaffeeersatz machen kann?

Die Römer haben die Wildpflanze kultiviert und über die Alpen gebracht. Ab dem 16. Jahrhundert hatten auch die Deutschen den kniffeligen Dreh mit der Spargelzucht raus, aber das Gemüschen blieb lange eine Kostbarkeit und kam nur in Adelskreisen auf den Tisch. Ludwig XIV war so verrückt danach, dass er sogar mitten im Winter von seinem Koch ein Spargelmenü verlangte.

Deutschland ist heute mit 112.000 Tonnen größter Spargelzüchter Europas. Mit über sieben Millionen Tonnen hat China weltweit die Nase vorn. Wen wundert es: Schon seit 1972 gelten in Europa gemeinsame „Spargel-Vorschriften“.

Wir lieben ihn. Wir verehren ihn. Wir suchen ihm jedes Jahr eine neue Königin. Allein entlang der „Spargelstraße NRW“ reihen sich 168 spargelproduzierende Mitgliedsbetriebe aneinander. Gleich drei Spargelmuseen gibt es bei uns, in Schrobenhausen in Bayern sogar das „Europäische Spargelmuseum“. Egal, wie er nun heißt, ob „Huchels Leistungsauslese“, „Ruhm von Braunschweig“, „Goldgebener“, „Schwetzinger Meisterschuss“, „Rapsody“, „Ravel“, „Mondeo“ oder „Hannibal“ – er hat seine Sauce Hollandaise immer verdient.

Schönen Sonntag – mit pro Person mindestens 500 Gramm von dem leckeren Gezücht, so rät man.