Ganz be-Geistert

Diese irre Geschichte ist wirklich wahr: Der Gewehrfabrikant William Winchester und seine Frau Sarah waren schwer reich geworden mit der berühmten „Winchester“, die als „das Gewehr, das den Westen bezwungen hat“ galt.

Als ihre einzige Tochter an einer Kinderkrankheit starb, nahm Sarahs Seele den ersten Schaden. Als sie fünfzehn Jahre später auch ihren Mann zu Grabe tragen musste, konnte sie nichts mehr trösten.

Sie klapperte vergeblich Ärzte und Seelenklempner ab und fand schließlich Hilfe bei einem „spirituellen Medium“. Das guckte ihr tief in die traurigen Augen und fand heraus, dass Sarah heimgesucht wurde von den Seelen alle derer, die mit einem Winchester-Gewehr zu Tode gekommen waren. Um sich zu retten, müsse die trostlose Witwe ein Haus bauen, an dem die Arbeit niemals – NIEMALS – ruhen dürfe bis zu ihrem Tod.

Sarah Winchester hatte das nötige Vermögen für solch ein wahnwitziges Unterfangen. Sie kaufte ein Grundstück nahe San Francisco und errichtete darauf ab 1884 ein Haus in viktorianischem Baustil. Sie beschäftigte ein Heer von Handwerkern und Gärtnern, die 36 Jahre lang an sieben Tagen in der Woche Tag und Nacht ununterbrochen an dem Haus arbeiteten.

Das Bauwerk schwoll ins Unermessliche an. Das kolossale Anwesen mit seinen sieben Stockwerken hat 161 Räume, vierzig Schlafzimmer, 47 Kamine, 17 Schornsteine und eintausend Fenster. Um die Geister darin zu verwirren und von sich selbst abzulenken, ließ Sarah Treppen bauen, die ins Leere gehen, Fenster in den Boden einfügen, Türen sich auf blanke Wände oder in die Tiefe öffnen. Bis sie 1922 starb, schlief sie selbst jede Nacht in einem anderen Zimmer, damit die Geister sie nicht fanden.

Heute ist das „Winchester Mystery House“ in Kalifornien ein Museum. Die wahnsinnige Sarah-Story wird gerade verfilmt. Helen Mirren spielt die Hauptrolle. Der Film läuft im Februar in den amerikanischen Kinos an.

Demnächst kommt er auch zu uns. Ich für meinen Teil bin begeistert und fange schon mal an, Geld zu sparen, damit ich mir beim Gruseln auch eine Tüte mit völlig überteuertem Kino-­Popcorn leisten kann.

Schönen Sonntag.