Ganz praktisch

Kennen Sie Hermann? Den dunkelblauen, quadratischen, geriffelten Kunststofflappen?

Der ersetzt den Mann im Haus. Echt wahr: Die Frau, die einen Hermann in der Schublade hat, braucht an keinem fest verschraubten Gurken- oder Apfelmusglas mehr zu verzweifeln. Mit dem blauen Kunststofflappen unter den zarten Fingern kriegt sie garantiert ganz allein jeden Verschluss auf.

Ein glanzvolles Stück Emanzipation im harten Alltag ist das. Bravo! Und wer hat diesen genialen Hermann ersonnen? Es war bestimmt eine Frau, praktisch begabt, pfiffig und erfinderisch, mit Blick für das Notwendige.

Solche Frauen gibt es immer mehr, Frauen, die lieber Gebrauchsanweisungen lesen als Rezepte, die ihre Waschmaschinen, Computer oder Flachbildschirme selbst anschließen – ohne ein männliches Wesen demütig um Hilfe bitten zu müssen.

Frauen sind also auf dem technischen Vormarsch. Weniger bekannt ist, was sie technisch schon längst geleistet haben. Der Star am weiblichen Forschungshimmel, Marie Curie mit ihren legendären gleich zwei Nobelpreisen für Physik 1903 und für Chemie 1911, war keineswegs allein auf weiter Flur.

Die englische Lehrerin Mary Brown etwa stellte schon 1893 ihren patentierten Waschkessel vor, den „Vater“ unserer heutigen Waschmaschine. Den Geschirrspüler, ohne den vor allem Männer gar nicht überleben könnten, verdanken wir auch einer Frau: 1886 Josephine Cochran. Die Amerikanerin Mary Anderson erfand den Scheibenwischer – 1903, noch bevor Henry Fords Super-Erfolg „Tin Lizzy“ überhaupt aus der Werkstatt rollte. Sarah Guppy tüftelte an Kaffee- und Teemaschinen und entwickelte dabei schon 1811 die Idee zu Hängebrücken!

Die erste Programmiersprache wurde 1980 „ADA“ genannt, weil sie tatsächlich von einer Frau erfunden wurde: Von Augusta Ada King, Countess of Lovelace.

Brillengläser, Verfahren zur kabellosen Datenübertragung, Brautechniken – es ist wie in der Geschichte vom Hasen und vom Igel. Fast überall war frau zuerst da.

Hach, ist das schön! Mich beflügelt das. Ich schieße in luftige Höhen wie ein losgelassener Luftballon. Aber ich komme schon wieder runter. Der Fallschirm übrigens geht auf das Konto von: Katharina Paulus, der ersten deutschen Berufsluftschifferin.

Schönen Sonntag, liebe Schwestern – und Brüder!