Geschenk des Himmels

Seit Wochen herrschte akute Verstopfungsgefahr in Barbaras Badezimmer. Bei jedem Zähneputzen oder Händesäubern stieg der Pegel im Waschbecken ein bisschen höher. Immer länger dauerte es, bis das Schmutzwasser abgelaufen war. Ob Pömpeln oder Prockeln… – alle Versuche, den Abfluss von oben wieder frei zu bekommen, waren vergeblich.

„Der Siphon ist dicht. Ich schraub ihn ab und mach ihn sauber,“ versprach Ralf, ihr Freund. Es blieb beim Wort. Wie so oft. Vor allem im Haushalt. Barbaras Frust stieg mit dem wachsenden Wasserstand.

Dann, am Tag vor Heiligabend: Barbara wäscht sich die Hände, der Seifenschaum dreht im Becken eine schwungvolle Runde – und verschwindet! Hahn auf, Becken gefüllt – das Wasser läuft problemlos ab. Ein weiterer Versuch, ungläubiges Kopfschütteln, es bleibt dabei: der Abfluss ist frei! Halleluja! Helle Freude bei Barbara, vor allem aber bei ihrem Faulpelz Ralf. Er ist durch dieses „Weihnachtswunder“ um seinen unappetitlichen Klempner-Einsatz herumgekommen.

Zweiter Weihnachtstag – Schauplatz diesmal: Ralfs Wohnung. Das Fest-Geschirr steht sauber auf dem Abtropfgitter, Barbara zieht den Stöpsel aus der Spüle. Und es passiert: Nichts. Friedlich still steht das Fettwasser – im Metall-Becken von Ralfs Küche. Und bewegt sich keinen Millimeter. Der Hausherr krempelt die Hemdsärmel hoch. Doch so sehr er sich auch bemüht: Kein Pömpeln, kein Prockeln in der Dreckslauge hilft.

Ein weiteres Wunder? Rache von oben? Egal. Barbara weiß auf jeden Fall, wie man solche Geschenke des Himmels“ nutzt: „Der Siphon ist dicht“, flötet sie zuckersüß ihrem Liebsten zu. „Du musst ihn wohl abschrauben und saubermachen. Ich kuck mir so lange Sissi an…“

Schönen Sonntag und Friede auf Erden im immerwährenden Geschlechterkampf!