Hahn-Spleen

Die Olympischen Spiele sind eröffnet. Zum dritten Mal in London. In einer der teuersten Städte der Welt.

Nicht nur London, ganz England ist fürwahr kein preiswertes Pflaster. Freund Helmut und Familie haben es leidvoll erfahren, auf einer zweiwöchigen Rundreise durch den Süden der britischen Insel. Eine popelige Pizza kostet da schon mal locker 15 Euro und eine Kugel Eis 3,50 Euro. Noch mehr schockierten den guten Helmut aber die stattlichen Summen, die er überall fürs Parken und für Eintrittsgelder hinblättern musste. Selbst die Besichtigung einer Kathedrale schlägt da fix mit über 20 Euro fürs Familienticket zu Buche, plus stolze zehn Euro für den Parkplatz. „Da holt man dir dein Geld mit der Kohlenschaufel aus dem Portemonnaie“, erzählt er.

Immerhin ist der Gang zur öffentlichen Toilette überall sehr preiswert oder meist sogar kostenlos. Obendrein ist die Versorgung mit diesen so wichtigen Einrichtungen flächendeckend gut. Selbst im mickrigsten Dorf sind sie leicht zu finden, oft finanziert mit Mitteln aus Brüssel, also von „unserer“ EU.

Allerdings pflegen die Briten ihren alten Spleen bei der Anordnung der Wasserhähne. Das sieht so aus: Man hat den Warmwasserhahn auf der linken Seite des Beckens und den Kaltwasserhahn auf der rechten. Das heißt: keine Chance, sich die Hände wohltemperiert zu waschen. Die einzige Möglichkeit: Man wieselt zwischen beiden Hahnen blitzschnell hin und her.

Doch auch die Engländer gehen mit der Zeit. Und so bauen sie nun – wohl um zu sparen – immer häufiger Wasserspender ein, die nur auf Knopfdruck reagieren. Da wird‘s dann spaßig. Denn bei einem solchen Hahn muss man mit der einen Hand den Knopf gedrückt halten. Man kann also immer nur eine Hand waschen. Erst die rechte – zunächst warm, anschließend kalt. Dann die linke – erst warm, dann kalt. Oder umgekehrt. Und immer schön vorsichtig sein – weil aus dem ein oder anderen Hahn das Wasser mit reichlich Druck hinausschießt und die Hose danach an peinlicher Stelle nass ist.

Auf einer solchen Toilette hing zudem noch ein nettes Schild: „Haben Sie auch Ihre Hände richtig gewaschen?“ Ähhh, ja!

Aber was soll man von einem Volk erwarten, das 60 verschiedene Religionen kennt, aber nur eine einzige Sauce. Spaß beiseite: Das sind etwas skurrile, aber richtig liebenswerte Leute. Lohnt sich, hinzufahren, echt.

Schönen Sonntag!