Hallo Julia!

Der Pfarrer einer großen hiesigen Gemeinde wuchs als Kind in einem Pastorenhaushalt auf. Sein Vater war der „Herr Pfarrer“, zu dem alle aufsahen und dessen Worte keiner zu hinterfragen wagte.

Da verstand man nicht alles, was der hohe geistliche Herr sagte. Vieles blieb geheimnisvoll. Man hörte es, wunderte sich still und vertraute ansonsten auf Gott.

So ging es dem zarten Sohn etwa mit „Gottes Lieblingen, den fröhlichen Ebern“: Zu jedem Erntedankfest brachten die Kinder der Gemeinde, so auch der eigene Sohn, im Gottesdienst dem Herrn Pfarrer die Gabe für den Erntedanktisch. Der Kirchenmann nahm sie entgegen und bedachte die Kinder einzeln mit einem leisen „Gott liebt den fröhlichen Eber“.

So jedenfalls kam’s in den Ohren des Sohnemannes an. Nie fragte er nach, warum gerade das rosige Borstenvieh dem Vatergott so sehr am Herzen liegt. Aber im Stillen wunderte sich der Kleine doch jahrelang immer wieder über diese Bevorzugung des männlichen Schweins vor allen anderen Tieren dieser Welt. Hatte er etwas verpasst im Religionsunterricht? Hatte er nicht richtig aufgepasst, als es etwa um die Erschaffung der Welt und der Tiere ging? Oder war ihm später rund um Paradies oder Arche Noah irgendetwas entgangen, dass die Schweine-Liebe Gottes erklären würde?

Das Rätsel löste sich erst viel später. Ein „G“ hatte ihm gefehlt – ein Hörfehler! Das „G“ nämlich macht den entscheidenden Unterschied zwischen einem „Eber“ und einem „Geber“. Nicht der verkniffene Spender sei Gott wohlgefällig, sondern der, der leicht und gern gibt. „Gott liebt den fröhlichen Geber“ – das waren die Worte gewesen.

Kinderohren hören vieles anders und die Kleinen machen sich schnell einen eigenen Reim auf das, was sie gehört haben. Woher stammt die Jungfrau Maria? – Kinder wissen es, denn das singen sie ja immer wieder in der Advents- und Weihnachtszeit.

Da heißt es „von einer Jungfrau aus Ährkorn“. Also? Entweder sie stammt aus einem Dorf namens Ährkorn. Oder sie ist in einem echten Ährenkorn großgeworden, was ja auch möglich wäre bei einem so besonderen Mädchen wie ihr. Fast wie im Märchen eben. Tja, welches Kind kennt schon das Wort „auserkoren“?

Und was hat die Julia aus unserer Überschrift damit zu tun? Die wird doch gerade zu Weihnachten sogar vielstimmig besungen: „Hallo Jul-ia, halleluu-hallee Jul-ia, hallo Ju-lia, hallo Julia“. Das muss auch eine ganz wichtige heilige Frau sein. Die kommt in der himmlischen Rangfolge bestimmt gleich nach der Eva und der Maria.

All‘ unseren Lesern einen ruhigen Start in die Sankt-Martin-Woche!