Hausboot und Fladenbrot

Ein Kofferschloss ist ein Schloss – und eben kein Koffer. Ein Tellerrand ist ein Rand und nicht der Teller. Beim Bierdeckel handelt es sich um eine Pappscheibe und nicht um ein Getränk. Und ein Satteldach ist immer noch ein Dach und passt auf keinen Pferderücken…

Aber was ist ein Hausboot? Zur Beantwortung dieser Frage rückte kürzlich eine ganze Schar von Rechts-Gelehrten zu einem Ortstermin aus. Im Auftrag des Finanzgerichts Hamburg sollte geklärt werden: Ist ein Hausboot eher ein Haus oder eher ein Boot?

Wen juckt‘s? – Ja von wegen! Wir sind in Deutschland! Da zahlt man für Gebäude eine GRUNDSTEUER und für Boote eben nicht.

Wenn jetzt einer daher kommt und in einem deutschen Hafen einen Ponton zu Wasser lässt und das Ganze auf den Wellen schaukelnd als Restaurant nutzt, was dann? Grundsteuer oder keine Grundsteuer – das war hier die äußerst knifflige juristische Abwägung.

Boote befinden sich auf dem Wasser, Häuser an Land. Boote sind Fahrzeuge, Häuser sind Gebäude. Boote schwimmen, Häuser sind unverrückbar mit dem Boden verbunden. – Was nun?

Auf Anweisung des Gerichts musste die Hafenpolizei ran: Mit einem echten Boot näherten sich die Beamten vorsichtig dem Streitobjekt und verursachten in seiner Nähe absichtlich etwas Wellenschlag. Und siehe da: Das Riesen-Ding schaukelte sacht auf und nieder!

Die Wasser-Polizisten konnten mit Bestimmtheit dem hohen Gericht melden: Der Ponton schwimmt. – Also ist es ein Boot, schloss der Richter den Aktendeckel. Und damit ist nun erstmals in Deutschland gründlich geklärt: Ein Hausboot ist ein Boot. Und ein Bootshaus ist ein Haus. Basta.

Wir warten auf weitere rechtliche Klärungen. Sind im Hundekuchen Hunde? Wie viel Wind steckt im Windbeutel? Bestehen Gummibärchen mehr aus Gummi oder mehr aus Bärenfleisch? Sind im Fladenbrot etwa Fladen verarbeitet?

Einen fraglos schönen Sonntag!