Heizlüfter und Bastmatten

Gute Geschäfte zu machen, ist schon unter innerdeutschen Landsleuten schwer genug. Aber ach, wie schwer fällt es doch, in der großen weiten Welt einen ordentlichen „Fisch“ an Land zu ziehen…

Das geht schon nebenan bei den Niederländern los. Woran bitte erkennt man, wer der Chef ist, wenn alle sich duzen, jeder Fahrrad fährt und keiner seinen Doktortitel raushängen lässt?

Wie kriegt man raus, wer in diesem hochdemokratischen Königreich ohne Hang zu Statussymbolen insgeheim den Hut aufhat, ohne seine Atemluft ganz vergeblich an einen Menschen verblasen zu haben, der sich am Ende bloß als Hausmeister herausstellt?

In der Schweiz fällt leicht ganz übel rein, wer Geschäfte unter vermeintlich Gleichen machen will. Gut, im Käse-Ländle spricht man Deutsch. Aber anders! Ganz anders! Hier ist man ausgesucht höflich – aber deswegen noch lange nicht freundlich! Der sensiblen Schwyzer Seele kommt der deutsche Michel mit seiner direkten Art, alles plump beim Namen zu nennen, arrogant und grobgeschnitzt daher. Puhhh! Zwischen Trinkschokolade und Raclette-Käse zelebriert man stattdessen die hohe Kunst der leisen Zwischentöne. Wem dann noch beim Abschied ein flapsiges gutdeutsches „Tschüss“ entfährt, der hat schon gleich verloren. Das klingt für eidgenössische Ohren nach Rausschmiss und Missachtung. Ein leises „Ade“ mit feinem Schmelz wäre richtig gewesen und hätte das Geschäft vielleicht anbahnen können…

Zwischentöne regieren auch in Bulgarien. „Könnten wir mal das Fenster einen Augenblick öffnen?“ kommt gar nicht gut am Verhandlungstisch. Oh nein! Das gleicht einem brutalen Tritt gegen das bulgarische Schienbein! So direkt unverblümt und auffordernd geht hier nix! „Umschreiben“ heißt das Geheimrezept. Wohl dem, dem was Passables einfällt, bevor er erstickt zu Boden gleitet…

Dass die bulgarischen Geschäftspartner, während er selbst röchelnd um Luft kämpft, hektisch telefonieren, Mails oder SMS schreiben oder gar aus dem Raum rennen, darf den Geschäftsmann aus Deutschland nicht weiter stören: Auf dem Balkan arbeitet man eben gern gleichzeitig an allem möglichen, statt nur eins nach dem anderen stur abzuhaken.

Und dann die Königsdisziplin: Geschäftemachen in China!

Wie geht das in einem Land, wo nie jemand „nein“ sagt, nie jemand etwas ablehnt und nie jemand zugibt, dass er etwas nicht kann?

Wahrscheinlich fühlt sich das so ähnlich an wie beim „Activity“-Spiel, wo man „ich“ erklären soll, ohne aber „ich“ sagen zu dürfen.

Schönen Sonntag mit der vergnüglichen Vorstellung, wie nun ein Bulgare einem Chinesen eine Bastmatte oder ein Chinese einem Bulgaren einen Heizlüfter zu verkaufen versucht…!