SonnTalk: Heul-Kammer

Es gibt Momente im Leben, da kann einem schon mal das Herz so richtig tief in die Hose rutschen und nur noch zum Heulen zu Mute sein. Liebeskummer – klar – ist da ein echter Klassiker. Aber auch unmittelbar vor wichtigen Prüfungen, dem Abitur oder Examina können den Prüflingen schon mal die Tränen kommen. Wenn sie merken, dass sie nur noch soooo wenig Zeit zur Vorbereitung haben, aber doch auch erst soooo wenig Ahnung vom Stoff haben, wird manch eine(r) von Verzweiflung nur so übermannt beziehungsweise überfraut.

Um vor solchen Heulkrämpfen die kostbaren Bestände ihrer Bibliothek zu schützen und vielleicht auch, um den jungen Studierenden in ihren finstersten, peinlichen Momenten eine Winzigkeit an Privatsphäre zu schaffen, hat sich die amerikanische Universität von Utah etwas ganz Exklusives einfallen lassen. Die Designerin Nemo Miller, die selbst dort studiert, hat eine “Heul-Kammer” entworfen. Diese “cry closet” steht nun formschön in dezenter weißer Optik nahe der Bibliothek bereit, um die Tränenströme aufzunehmen. Aber bitte nicht drängeln! Regeln hat das Heul-Kämmerchen: Man muss immer klopfen, wenn man rein will. Klar, es könnte sich drinnen in der exklusiven Box ja schon jemand gerade die Augen ausheulen.

Endlos rumflennen ist nicht erlaubt. Jeder darf nur zehn Minuten lang schluchzen und schniefen. Dann muss es wieder gut sein.

Und dann gilt: Durchatmen, Nase putzen, alles trocken wischen, und bitte das Licht für den nächsten Besucher wieder löschen. Danke.

Schönen Sonntag.

P.S.: Es ist gut vorstellbar, dass solche „Heul-Boxen“ auch anderswo in den USA in Mode kommen – ein Land, das einen Präsidenten wie Trump hat, kann davon kaum genug haben.