In die Unterwäsche

Es klingelt an der Haustür. Eine unscheinbare Person geht grußlos an Ihnen vorbei, öffnet alle Schranktüren, macht ein paar Notizen und verschwindet. Sie nehmen sich vor, die Type beim nächsten Mal sofort rauszuwerfen. Aber er kommt jetzt heimlich.

Vorräte, Kühlschrank, Keller und einige Briefe, alles interessiert ihn. Er bleibt offenbar immer länger. Aber er hat eine Tarnkappe auf und ist nicht zu fassen.

Er begleitet Sie auf die Toilette, sieht zu, was Sie da machen, großes oder kleines „Geschäft“, wie viel Blatt Klopapier – alles wird notiert. Wenn Sie zu Bett gehen interessiert ihn, welche Bettlektüre Sie lesen und was Sie sonst abends noch so treiben. Dabei vergisst er nicht, in Ihrer Unterwäsche zu wühlen…

Würden Sie sich das gefallen lassen? – Blöde Frage? Wenn Sie im Internet unterwegs sind, wird genau das mit uns täglich x-fach gemacht. Einmal im Netz über einen Rasenmäher informiert – und schon haben wir uns 35 sogenannte „Cookies“ eingefangen. Diese Spionage-Programme verraten fortan allen möglichen offiziellen und halbseidenen Versendern, was wir an Computer und Handy so treiben – JEDEN Schritt. Und dann sind da noch amerikanische, englische oder deutsche Geheimdienste, die uns allumfassend durchleuchten – Telefonate, Computer, Bankkonten oder GPS-Daten. Angeblich zu unserer Sicherheit…

Seltsamerweise haben wir Europäer uns bislang von diesem Sicherheitsgefasel einlullen lassen. Die Bundesregierung hat verniedlicht und abgewiegelt. Im letzten Wahlkampf spielte das brisante Thema keine Rolle. Bis jetzt. Es ist herausgekommen, dass die Amis auch in Angela Merkels Unterwäsche gewühlt haben – sie haben ihr Handy angezapft. Das finden die Deutschen nicht mehr spaßig. Sogar der US-Botschafter bekam am Donnerstag den erhobenen Zeigefinger der Bundesregierung gezeigt. Und mit Oberschnüffler Barack Obama („Yes, we spy“ – deutsch: „Natürlich spionieren wir“) hat die Kanzlerin sofort telefoniert und ihm gesagt, dass sie das nicht gut fände, wenn er in ihrer Unterwäsche stöbere. Das gehöre sich nicht für einen guten Freund, hat sie ihm gesagt. Da war der Barack aber sofort ganz lieb und hat versprochen, dass er das nie wieder macht.

Mannomann, wann wachen die Leute endlich auf? Wo soll das enden? Wann tun unsere Politiker endlich das, wofür sie da sind: diese Schweinereien ganz schnell abzustellen?

Schönen Sonntag – und wenn es Ihnen nichts ausmacht: trinken Sie Ihren Frühstückskaffee mit oder ohne Milch? Vor allem aber: mit wie viel Zucker?