In Handschellen

Es ist ein Weilchen her. Aber die Folgen sind für die Hasperin Annette Müller heute noch spürbar.

Als Praktikantin bei einem Amtsgericht im Märkischen Kreis schnupperte die damals 15-Jährige sich durch alle Abteilungen des Gerichts. So landete sie auch in der Wachmeisterei, dem Sicherheitsdienst.

Der diensthabende Wachmann erklärte dem jungen Mädchen seine schweren Aufgaben. Häufig müsse er „schwere Jungs“ in Handschellen legen. „Wenn ,die Brüder‘ nach mir treten, ziehe ich die Schellen ganz eng an“, erklärte der Justizmensch. Und zur Demonstration legte er der Praktikantin die Handschellen gaaaaanz eng an.

Dann bat der Wachmann den Kollegen, den Schlüssel zu holen – doch siehe da, der war verschwunden. So sehr man auch suchte – weg.

Im Dienstwagen ging‘s nun ab zur Polizei. Doch deren Schlüssel passten auch nicht. Nun war die Feuerwehr an der Reihe. Die Blauröcke konnten ebenfalls nichts ausrichten, weil die Handschellen zu eng saßen, als dass man sie hätte durchschneiden können.

In ihrer Not informierten die Gerichtsleute erst einmal die Eltern, bevor sie einen Schlüsseldienst ansteuerten.

Als die Gefesselte dort ausstieg, kam ihr eine Klassenkameradin entgegen, die wissen wollte, was sie denn angestellt hätte. Sie glaubte die Wahrheit nicht. Seitdem geht das Gerücht von einer Verhaftung um.

Trotz größter Mühen scheitert der Schlüsselmann ebenfalls in seinem Bemühen, die Schellen zu öffnen. Verzweiflung macht sich bei allen Beteiligten breit.

Man karrt die Praktikantin nun zur Justizvollzugsanstalt (JVA) nach Hagen, um auch dort alle vorhandenen Schlüssel auszuprobieren.

Der Tag neigt sich dem Ende und es wird allmählich dunkel. Im gleichen Maße sinkt die Hoffnung auf Rettung. Denn auch in der JVA kann man nichts für die Gefesselte tun.

Wohl eher aus Ratlosigkeit fährt man mit dem jungen Mädchen ins Krankenhaus. Dort will man wenigstens den Gesundheitszustand des gestressten Mädchens überprüfen lassen.

Der behandelnde Arzt hat allerdings eine gute Idee. Er rät dem Gerichts-Team die Schlüssel der Handschellen im Krankenwagen auszuprobieren.

Und siehe da, einer passt. Das Mädchen ist frei.

Am nächsten Tag gibt es Schokolade vom Gerichtsdirektor und alles ist vergessen. Fast alles. Denn das Gerücht von ihrer Verhaftung hält sich bis heute…

Schönen Sonntag!