Kindermund

Fieber und Husten ließen am Freitag in der vergangenen Woche die kleine Lena das Bett hüten. Die Erstklässlerin musste nicht zur Schule, so beschloss es die Mutter.

Am Montag drauf fühlte Lena sich wieder besser und freute sich auf den Schulalltag. Als die Lehrerin nach ihrem Zustand fragte, erklärte die Sechsjährige mit ernsthafter Mine, sie sei nicht krank, sondern mit ihren Eltern in Paris gewesen. Auf eindringlicher Nachfrage der Lehrerin schilderte Lena nun in den buntesten Farben ihre Wochenendreise und ließ auch ihren Besuch des Eiffelturms nicht aus. Wie eine echte Paris-Kennerin berichtete sie von den vielen schönen Sehenswürdigkeiten der Seine-Stadt und lobte das französische Essen.

In Wirklichkeit hatte Lena die französische Hauptstadt noch nie gesehen.

Die Lehrerin war sprachlos und berichtete der Direktorin von der Schulschwänzerei der Sechsjährigen.

Die tat, was ihre Pflicht ist, und schrieb den Eltern sofort einen Brief: Falls sie das Schulschwänzen nochmals duldeten, würde sie das Schulamt einschalten.

Die Eltern fielen aus allen Wolken und suchten das Gespräch mit der Schulleitung. So richtig entkräften konnten sie die Lügengeschichte ihrer Tochter aber nicht. Irgendwie hatte Lena einfach zu gut geflunkert.

Dieses Mädchen wird einmal eine große Dichterin…

…oder schreibt die Hitler-Tagebücher neu.

Schönen Sonntag!