Klare Sache, doppelt

Der Bundesverband deutscher Bestatter führt alle fünf Jahre eine Messe durch – die internationale Bestattungsfachausstellung in Düsseldorf. „Schwarz“ ist bei der Beerdigung immer mehr „out“, christliche Symbole sowieso, wenn überhaupt, dann den gekreuzigten Christus in Pinkfarben. Das ist Trend.

Auch bei der Terminplanung bewiesen die Leute mit dem traurigen Beruf echten Humor. Die Messe startete – am Himmelfahrtstag!

Klare Sache, der Verbandspräsident ist gleichzeitig Leiter des Rosenmontagszuges in Köln

Anderes Thema: Vor zwei Wochen war Wahl. Das Ergebnis ist wie immer für die einen erfreulich, für die anderen niederschmetternd und dieses Mal für alle – uneindeutig. Was nun? Wer rauft sich wie mit wem zusammen, um zu irgendeiner regierungsfähigen Mehrheit zu kommen? – Wir warten.

Alles ist unklar. Dabei täten klare Worte, deutliche Ansagen, unmissverständliche Signale so gut. Die sattsam bekannten Sprechblasenaufpumper, Phrasendrescher, Wortakrobaten, Fürdummverkäufer und Salbadermeister dürfen gerne Pause machen. Wir warten auf ein klares „Hü!“ oder „Hott!“.

Schon zu Zeiten des Weisen Konfuzius vor 2500 im fernen alten China taten einfache Worte den Menschen gut:

Auf einer Reise legten Konfuzius und seine Begleiter eine Pause ein. Ein Pferd begann, auf dem Feld eines Bauern zu grasen. Der Landmann ärgerte sich darüber. Er fing das Pferd ein und wollte es nicht wieder herausgeben.

Ein eifriger Schüler des Konfuzius, ein geübter Redekünstler, meldete sich freiwillig, um dem Bauern das Pferd wieder abzuquatschen. Er hielt eine lange, bewegende, geistreiche und scharfsinnige Rede – aber der Bauer beachtete ihn gar nicht. Da bat ein einfacher Mann, der erst seit Kurzen mit auf der Reise war, Konfuzius: „Lass mich mal machen.“

Er sagte zu dem Landmann: „Du hast dein Land hier im Westen und wir haben unseres im Osten. Wenn du zu uns in den Osten kommst, wo du kein Land hast, darf dein Pferd auf unserem Land weiden. Wenn wir in den Westen kommen, wo wir kein Land haben, wo kann dann unser Pferd grasen, wenn es nicht auf dein Feld darf?“

Als der Bauer diese einfachen Worte hörte, rief er: „Warum habt ihr das nicht gleich gesagt? – Da, nehmt euer Pferd wieder mit!“

Haben wir im Wahlkampf genug klare Worte gehört, genug inhaltliche Aussagen? Oder war es wieder einmal schon im Vorfeld das glattgeleckte Geeiere, das kantenlose Geseiere, das wolkige Geschwafel? Zu viel heiße Luft und kühle Berechnung, dass viel zu viele Wahlberechtigte am Wahltag lieber gleich zuhause geblieben sind, weil sie Ohrenschmerzen hatten?

Bleibt nur eins zu wünschen: Wenn es schon die Politiker nicht hinkriegen – möge über die Feiertage wenigstens der Himmel klar sein…

Frohe Pfingsten!

22. Mai 2010