Konjunkturprogramm der Polizei

Hermann sieht jünger aus, aber es gibt keine Zweifel – er ist 80. Kein Wunder, dass den pensionierten Beamten hier und da die Knochen zwicken. Zum Leidwesen seiner Ehefrau Hetty. Denn Hermann weigerte sich zuletzt immer häufiger, den 30 Jahre alten Ford in Bewegung zu setzen. Er hat Schmerzen beim Fahren und obendrein Angst im Verkehr.

Nun wusste das alte Ehepaar, dass ihr Auto den nächsten TÜV-Termin nicht überstehen würde. Deshalb liebäugelte Hetty mit einem neuen Wagen. Aber Hermann wollte nicht. Schließlich startete er dann doch missmutig zu einer Besichtigungsreise durch die heimischen Autohäuser. Hetty saß glückselig neben ihm.

Plötzlich forderte ihn eine rote Polizeikelle zum „Ranfahren!“ auf. Hermann fühlte sich unschuldig. Doch dann merkte er, dass sein Eheweib nicht angeschnallt war. Schnelles Reagieren war unmöglich. Denn der Gurt klemmte – von außen gut sichtbar – in der Tür fest. Das hatten die Beamten auch gesehen. Sie forderten freundlich, aber bestimmt ein paar „lumpige Euro“ von dem Ehepaar.

Doch als dann noch herauskam, dass der „Oldtimer“ schon lange keinen gültigen „TÜV“ mehr besaß und die ASU-Plakette aus grauer Vorzeit stammte, wich die anfängliche Freundlichkeit einem rüden Ton mit hoher Geldforderung.

Hetty versuchte, die Situation zu retten: „Wir sind auf dem Weg zum Autohaus, um einen neuen Wagen zu kaufen!“, beschwor sie die Beamten und bat um Gnade vor Recht.

Tatsächlich wichen die Ordnungshüter von einer Strafanzeige und hohem Bußgeld ab und stellten dem alten Ehepaar Papiere aus, mit denen sie ihren Wagen noch zwei Tage lang bewegen durften – aber nur zu Autohäusern und zurück. Den Kauf eines neuen Wagens wollten die Polizisten dann auch bestätigt sehen, sonst – drohten sie – gelte die alte Bußgeldforderung.

So kam Hetty noch am selben Tag zu ihrem neuen Auto und der heimische Handel zu einem zusätzlichen Impuls in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise …

Schönen Sonntag!

24. April 2010