Kuscheltier-Reisen

Klaus Kuchhäuser ist Handelsreisender. Der 59-Jährige ist seit mehr als 40 Jahren unterwegs in Sachen Kuscheltiere, Puppen und Figürchen – mit dem Fahrrad. Rund dreimal hat er den Globus kilometermäßig umrundet, glaubt er. Geschätzte 250 flauschige, bunte Gefährten begleiten ihn in einem großen Koffer auf seiner Reise: Bären aller Größen und Arten, einige Affen, der ein oder andere Zwerg, Mäuse, Elefanten, Hunde und auch ein Reh.

Zu allen seinen Figuren hat er ein inniges Verhältnis. Er spricht mit ihnen. Er vertraut nur ihnen seine Sorgen an. Und sie hören ihm zu. Sie erzählen ihm stumm ihre eigene Geschichte und erinnern ihn an ihre Vergangenheit, an ihre Herkunft und ihre vorigen Besitzer.

Klaus Kuchhäuser handelt nicht mit Neuware. Seine Ware ist gebraucht. Auch der große, braune Elch mit dem gelben Geweih, der an seinem Drahtesel die Gallionsfigur abgibt, kam nicht fabrikfrisch in Kuchhäusers Bestand. Der Elch gehörte vorher dem Bürgermeister eines kleinen Dorfes gleich hinter der dänischen Grenze. Er war ein Geschenk.

Manchmal bleibt der tief von Falten gezeichnete Kuchhäuser irgendwo ein bisschen länger: In Südfrankreich zum Beispiel. Oder in Marseille, in Lyon, im Baskenland, auf Korsika – ach ja, da hat er sogar eine Ausbildung zum Melker gemacht! Auch als Totengräber hat er unterwegs gearbeitet, als Weihnachtsmann, als Aushilfe auf Jahrmärkten und beim Zirkus.

Das Leben eines Handelsreisenden ist schwer. Schnaps hat ihn oft getröstet. Jetzt nicht mehr. Darüber ist er hinweg.

Frei sei er und zufrieden, sagt er, und schiebt mit seinem Fahrrad weiter auf seinem langen, nie endenden Weg. Die Leute bleiben stehen und Autofahrer halten an, wenn sie ihn mit seinem riesigen Berg aus Kuscheltieren – „meine Familie“ – kommen sehen. Oft schenken sie ihm neue oder kaufen ihm welche ab. „Ich tausche die Tiere. Das klingt besser als betteln“, sagt Kuchhäuser. Bestimmt 20.000, schätzt er, sind schon durch seine Hände gegangen. Rund 50 Räder hat er wohl unterwegs verschlissen. Landkarten oder Straßenpläne braucht er nicht: „Ich weiß ja nie so genau, wo ich eigentlich hin will.“

Einmal hat er für drei Tage eine Wohnung in Frankfurt gehabt, aber: „Die Wände haben mir die Luft genommen.“

Schönen Sonntag an alle Lebenskünstler, bunten Vögel und alle Normalos wie Du und ich!