Nacktwanderers Nöte

Es gibt bei uns im vorderen Sauerland einen überzeugten Nacktwanderer. Aber der recht knackige Mann verhält sich äußerst unaufdringlich und harmlos. Deshalb wird er unterwegs auch eher mit Humor als mit Ärger zur Kenntnis genommen.

Lange Zeit war Herr Splitternackt unbemerkt geblieben, hatte sich sittsam abseits gehalten und war artig beschattet im Stillen dahinmarschiert. Ihm kam es tatsächlich nur aufs textilfreie Wandern an. Bis zu jenem Tag…

Mehrfach vorher waren Wander-Reiterinnen im tiefen Forst im Hagener Süden dem Nackedei begegnet. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich jedes Mal auf den Reiterhöfen, wenn ER wieder unterwegs war.

Und dann gab es kein Halten: Unverzüglich erklomm so manche Reiterin ihr Ross und machte sich – ganz zufällig – auf in die angesagte Richtung. Mal schauen, wen man so trifft mitten im Wald…

Also, eines Tages steuert unser Klamottenhasser wieder sein Lieblingswandergebiet per Auto an. Noch angezogen, natürlich! An Ort und Stelle entledigt er sich seiner Kleidung und all des anderen lästigen Krams, vom Autoschlüssel übers Handy bis hin zur Brieftasche. Das überflüssige Zeugs stopft er in seinen tarnfarbenen Rucksack, den er sorgsam im Grünen oder Braunen versteckt. Dann wandert er nackert los und genießt seine Kilometer im Adamskostüm – immer Richtung verlorenes Paradies.

Als er nun am Ende jenes unheilvollen Wandertages wieder sein Versteck aufsucht – ist es leer!

Splitterfaserohnewas muss der Arme den Gang seines Lebens antreten. Die Hände immer schön in der Leistengegend gefaltet begibt er sich mit hochrotem Kopf (Streichholz-Kostüm!) zum nächsten Gehöft und macht dort verschämt auf seinen hilflosen Zustand aufmerksam. Man erbarmt sich seiner, gibt ihm was zum Überziehen und erlaubt ihm zu telefonieren. Kurze Zeit später fährt ein Retter vor, mit Wechselklamotten und Ersatzautoschlüssel. Anschließend musste sich unser Adam peinlichkeitsreich zur Polizei begeben, um sein von besorgten Reiterinnen zufällig aufgefundenes und ordnungsgemäß abgeliefertes Eigentum wieder abzuholen.

Irgendwie ging die Geschichte dann rum. Und nun kennt man ihn in der Gegend – und vor allem frau hält seitdem immer mal gern nach ihm Ausschau.

Schönen Sonntag – jetzt wo die Freiluftsaison bald wieder beginnt…