Nichts als Urlaub

Viele sind weg. Wir nicht. Sie und ich, wir halten die Stellung. Das kann hart sein: Seit Tagen flattert jede Menge Zeugs zum Thema „Urlaub“ auf meinen Schreibtisch.

Per E-Mail wird mir mitgeteilt, dass der Trend zum Heimaturlaub geht, obwohl die Deutschen sich andererseits ungebrochen für exotische Ziele erwärmen. So hat Indiens kleinster Bundesstaat Goa ein Plus von 155 Prozent geschafft und belegt damit Platz 8 – wovon, erfahre ich leider nicht, sonst hätte ich es Ihnen gerne weitergesagt.

Südtirol, Gardasee, Meran, Venedig – sie alle kommen kaum an gegen Timmendorfer Strand, Rostock, Warnemünde, aber auch Würzburg, Potsdam und – Wolfsburg!

Ein anderer Absender informiert mich freundlich, dass 40 Prozent der Deutschen schon nach vier Wochen wieder urlaubsreif sind – das haut mich um. Man rät uns deswegen zu regelmäßigen Kurztrips. Sie erhalten uns dauerhaft am Leben im Steinbruch des Alltags. Wir sollen die Erholung gut planen und regelmäßig für eine Auszeit mit Verwöhnfaktor sorgen. Hier rät man uns bevorzugt zu Zielen wie Rom, Manhattan, Las Vegas, Berlin, London, Wien, München, Hamburg, Barcelona oder Paris.

Luxushotels sollte man lieber meiden, denn – Vorsicht! – selbst wenn sie auf den ersten Blick sauber und ordentlich aussehen, kann man nie wissen, welcher Superstar hier zuletzt wie ein Hunne gehaust hat. Ich lese im Schreiben eines dritten Absenders zutiefst verstört, wie Skandal-Schauspieler Charlie Sheen im New Yorker „The Plaza“ gewütet hat, wie Lindsay Lohan das „Shutters on the Beach“ in Santa Monica zerlegt hat und wie das „Claridge’s“ in London aussah, als Courtney Love damit fertig war.

Aus Hamburg schreibt mir als „liebem Journalisten“ ein vierter Informationsdienst vom Allerneuesten für schmale, zumeist junge Urlaubsgeldbeutel. Hier heißt die Lösung „Wohnungshopsen“ statt Pauschalreise. Man suche sich per Internet (Stichwort ‚flatjump‘) für sein Reiseziel jemanden, der einen kostenlos und kontaktfreudig einfach kostenlos mitwohnen lässt in seinen privaten vier Wänden. Urlaub auf Anderleuts Schlafsofa also. 13.000 Mitmacher gäbe es schon in über 100 Ländern.

Das wäre nichts für Sie? – Warten Sie mal…, dann hätten wir noch „Pissup Reisen“ zu bieten. Was Reiseservice Nummer Fünf hier kundtut, ist aber reine Männersache: Junggesellenabschiede und Herrentouren in zehn osteuropäische Zielorte und ins liberale Amsterdam gibt es da für total vom Testosteron geschüttelte Kerle.

Genug jetzt der Grenzüberschreitungen.

Schönen Sonntag zuhause.