Reine Privatsache

Heute kommen wir zum Thema „kuriose Arbeitsunfälle“ und ihre rechtliche Beurteilung. Wer immer noch nicht glaubt, dass wir in einem wahnwitzigen Paragrafen-Dschungel hausen, wird durch ein Urteil des Sozialgerichts Gelsenkirchen erleuchtet.

Während der Arbeitszeit soll der Arbeitnehmer in erster Linie arbeiten. Dabei kommt er – vielleicht – ins Schwitzen. Er verdunstet im Schweiße seines Angesichts Wasser. Das muss er beizeiten nachfüllen, um nicht zu verdorren.

Wir verstehen: (Alkoholfreies) Trinken gehört zur Arbeit. Es ist eine dienstliche Angelegenheit.

Nicht so das spätere Ausscheiden. Das ist reine Privatangelegenheit.

Diese kleine, aber feine Unterscheidung in dienstliches Trinken und privates Ausscheiden kann ungeahnte Folgen haben: Wenn Sie sich etwa beim Trinken während der Arbeit die Vorderzähne an der Limoflasche einschlagen, das Gaumenzäpfchen am brühheißen Kaffee verschmoren oder sich beim Auspressen des Teebeutels den kleinen Finger brechen, sind Sie – richtig! – versichert!

Wenn Sie aber beim privaten Ausscheiden auf dem Büro-Örtchen sich den Zeigefinder in der Nase brechen, in die Schüssel fallen oder Ihre edelsten Teile im Reißverschluss verheddern, sind Sie – richtig geraten! – nicht versichert.

Unfassbar, aber wahr: Der Weg zum Ort der Notdurft ist versichert. Der Moment der Ausscheidung selbst ist NICHT versichert, weil er der intimen Privatsphäre zugerechnet wird. Der Weg vom Ort der Notdurftverrichtung zurück zum Arbeitsplatz ist dann wieder ein Dienstweg und somit versichert.

Wenn ein Mann etwa mit seinem Wagen dienstlich unterwegs ist, genießt er Versicherungsschutz, solange er nicht muss. Wenn er anhält, weil die Blase drückt, ist er immer noch versichert, auch, während er sich einen passenden Baum aussucht. Aber sobald er dann Ernst macht – Sie wissen schon -, ist er vogelfrei, solange es läuft. Erst danach – Zack! – sobald der Hosenstall geschlossen ist, greift wieder die Versicherung und schützt ihn auf dem Weg zurück zum Auto. Bei Eis und Schnee, auf welkem Laub und glitschigem Matsch ist es also ratsam, möglichst auf dem Weg zum oder vom Baum hinzuknallen und nicht etwa genau während des Strüllens das Gleichgewicht zu verlieren.

Wann muss das erste hohe Gericht entscheiden, wie eigentlich Mitarbeiter versichert sind, die Inkontinenz-Probleme haben?

Schönen Sonntag!