Scheißtage endlich abgeschafft!

Selten bin ich entspannter in ein neues Jahr gegangen. Ob es ein gutes wird? Eins ist sicher: Ein grottiges Jahr kann es gar nicht werden. Das Allerschlimmste bleibt uns erspart: die sogenannten Scheißtage. Die lauerten bisher im Jahreslauf – und zwar leider völlig unabhängig davon, ob an jenen Tagen auch das klanglich verwandte Schietwetter herrschte oder nicht.

Also, meine lieben Leser da draußen, wir können durchatmen: Scheißtage wird es nicht geben! Kann es gar nicht mehr geben. Weil? – Weil sie gesetzlich verboten sind!

Jetzt staunen Sie, nicht wahr? Dachten Sie doch, Ihre Scheißtage seien ganz persönliche, die nur Ihnen allein gehören und die Ihnen niemand verbieten kann. – Weit gefehlt!

Das will ich Ihnen erklären: In Süddeutschland und Österreich war es früher üblich, dass die Knechte der Bauern zum Jahreswechsel zusätzlich zur zermürbenden Ganz-Jahres-Plackerei noch ein paar unbezahlte Tage malochen mussten. Mit diesen sogenannten „Scheißtagen“ sollte abgegolten werden, dass die Männer übers Jahr zusammengerechnet Tag für Tag irgendwo hinterm Busch, am Feldrand, hinter der Scheune oder in „Herzhausen“ hockten und sich – nun ja – entleerten, während auf Kosten des Grundbesitzers dabei ihre schwieligen Hände ruhten. Diese „Scheißtage“ wurden ohne Lohn nach Ablauf des jährlichen Dienstvertrages, also nach dem St. Martinstag, meist zu Lichtmess oder am 29. Dezember abgeleistet.

Aber damit ist Schluss: Heutzutage kommt kein Arbeitgeber mehr durch mit der Forderung nach „Scheißtagen“. Das Arbeitsgericht Paderborn hat entschieden: Der Gang zur Toilette stellt keine Arbeitspflichtverletzung dar. Deshalb darf auch eine Kirchengemeinde ihrem langjährigen Mitarbeiter nicht deshalb kündigen, nur weil er während seiner Dienstzeit etwa 10 Minuten im Haus eines Freundes auf dessen „Stillen Örtchen“ verbrachte. Das Arbeitsgericht Köln sieht die Sache ähnlich: Es schlug sich auf die Seite eines Arbeitnehmers, als dieser wegen häufiger Herzhausen-Besuche von seinem Geldgeber mit Gehaltskürzung abgestraft werden sollte.

Ach, 2012, du gefällst mir schon jetzt.

Schönen Sonntag!