Schlachtfeld Supermarkt

Samstagmorgen, halb zwölf, in einem Supermarkt. Das Wochenende ist noch jung, alle sind entspannt. Alle? Nicht doch! Heimische Supermärkte werden mitunter zum Schlachtfeld. Anders lässt sich jedenfalls das Erlebnis einer guten Freundin nicht erklären…

Michaela musste ein paar kleinere Einkäufe erledigen. Schließlich fand sie sich in einer – für das Wochenende – ganz gewöhnlich langen Schlange vor der Kasse wieder. Inmitten von Müttern mit ihren Kindern, Einkaufswagen und einem übervollen Kassenband. Um sich ein wenig Platz und Freiraum zu lassen, hielt Michaela etwas Abstand zu ihrem Vordermann. 50 cm, ihren eigenen Wagen hielt sie hinter sich.

So wartete sie darauf, an die Reihe zu kommen. Dann sprach sie ihr Hintermann an. Der hatte offenbar überhaupt keine Zeit. Und wegen der langen Schlange kam er noch nicht ans Kassenband. Michaela sollte also – „Aber zackig!“ – ihrem Vordermann auf die Pelle rücken, sich am Besten unsichtbar machen, damit ihr Hintermann endlich an das Band kommen konnte.

Nun scheut die Freundin allzu nahen Körperkontakt zu wildfremden Menschen. Sie rückte nicht auf. Warum auch? Es mussten ja eh alle warten. „Die paar Minuten sollte man doch haben“, überlegte sie. Falsch gedacht.

Plötzlich schepperte ihr der Einkaufswagen in den Rücken und die Fersen. Entsetzt drehte sie sich um: Der Mann, wutentbrannt, feuerrot im Gesicht, brüllte sie an. „Gehen Sie weg! Machen Sie mir Platz!“ Er schrie, er tobte, er wütete. Und rammte ihr erneut den Einkaufswagen gegen die Beine. Michaela rief um Hilfe. Mehrfach.

Doch kein Mensch half. Alle schauten betreten weg. An der Nebenkasse weinte ein kleines Kind vor lauter Angst. Die Mutter des Mädchens bat darum, endlich still zu sein. Aber es kümmerte ansonsten niemanden, dass hier gerade eine Frau übelst drangsaliert wurde.

Von dem Scheppern des Einkaufswagens, dem Gebrüll des Mannes und den Hilferufen der Frau wurde schließlich der Filialleiter alarmiert. Er kam, die Freundin freute sich über die herannahende Hilfe – und wurde bitter enttäuscht. Der Laden-Chef wollte auch nur eines – Ruhe! „Alles andere können Sie ja draußen unter vier Augen regeln!“ Sprach‘s und verschwand wieder.

Unglaublich!

Einen friedlichen Sonntag!