So plötzlich

Zwei Blondinen sind in einen Jahreskalender vertieft. „Guck mal“, sagt die eine. „Heiligabend ist dieses Jahr an einem Freitag.“ – „O je!“, antwortet die andere, „hoffentlich nicht auch noch an einem 13ten!“

Nichts gegen Blondinen und dieses Jahr liegt der Heilige Abend auch gar nicht auf einem Freitag, sondern auf einem Dienstag. Wir wissen es seit Herbst des vergangenen Jahres, als die 2013er Kalender in den Handel kamen. Bloß: Das war noch soooo weit weg. Dann rollte das Jahr dahin, alles ging seinen Gang und dann – ganz plötzlich – steht dieses Weihnachten praktisch schon vor der Tür. Man kann es regelrecht sehen, fühlen, schmecken, riechen.

Gewetterleuchtet hat es schon vor Wochen – damals, als noch Sommer war und man in der Hitze ölte. Da passierte es: Einer von denen, die gerade erst die Sommerferienkoffer wieder verstaut hatten, nahm als erster das Wort „Weihnachten“ in den Mund und eröffnete damit die Saison. Alle zuckten zusammen. Weihnachten! – Das hörte sich in der Sommerhitze an wie eine Botschaft von der anderen Seite der Erde oder gar von außerirdisch. Aber jeder wusste: Das ist das nächste große Fernziel, dem wir entgegentreiben.

Letzte Woche – immerhin erst am 9. November – fielen auch an dieser Stelle im wochenkurier erstmals wieder weihnachtliche Töne. Ganz leise noch, denn es schien ja noch lange hin zu sein. Aber dann: Der Arbeitstag am Montag, 11. November, schien in der Redaktion ganz normal zu beginnen. Doch bald wurde offensichtlich: Ab sofort ist WEIHNACHTEN. Aber so was von radikal! Jede zweite E-Mail hat seitdem weihnachtlichen Inhalt:

Weihnachtspaket-Sammlung, Weihnachtsbasare, Weihnachtsmärchen, Weihnachtskonzerte, Weihnachtstheater, Weihnachtsspendenaktion, Weihnachtslesung, weihnachtliches Beisammensein, Weihnachtsoratorium, Weihnachtsmarkt, Weihnachtsöffnungszeiten, Weihnachtsausstellung, sogar Weihnachtspreisschießen bei den Schützen

Es ist, als hätte irgendwo irgendjemand die große Schleuse geöffnet oder als wäre ein Damm gebrochen. Wohl dem, der in den nächsten Wochen in all diesen Fluten etwas zum Festhalten findet.

Bis dahin all‘ unseren Lesern einen ruhigen Sonntag – vorläufig aber noch ohne Kerzen!