So was von krank

Raymund Krauleidis hat ein Buch über „Bürokrankheiten“ geschrieben. Bronchitis, Migräne, Bandscheibe, selbst Burnout – das war gestern. Der muntere Krankheiten-Forscher hat völlig neue unergründete Gebrechen gefunden. Sie werden bald die Volkswirtschaft lahmlegen und Sand in die Getriebe der Betriebe streuen.

Von Vitamin-B-Mangel über Kundenkontakt-Allergie bis hin zum Kekskoma – da brennt‘s, da tut Hilfe Not, darauf wartet der Therapeut!

Der gemeine Büroalltag ist ein unerbittlicher Kampf gegen gnadenlose Vorgesetzte, ahnungslose Kollegen und vor allem gegen lästiges, nerviges Kundenpack. Kein Wunder, dass sich auf diesem unerquicklichen Nährboden die fiesesten Krankheitserreger entwickeln. Sie machen zwischen Frühstückspause und Feierabend den Job zur Hölle.

Von A wie Absolutismus bis Z wie Zeckenbiss – Raymund Krauleidis lässt nichts aus. Selbst originelle Gebrechen wie Floskelie, Lästeritis, Bürozucker, Aufschieberitis, Klicksyndrom, Kaffeerausch oder Klobürstenphobie sind ihm nicht fremd.

Er hat sie alle unter die Lupe genommen, ihnen lateinische Namen zugeordnet, sie alphabetisch aufgereiht und auf 240 höchst erheiternden Seiten vorgestellt.

Ganz wissenschaftlich geht er vor: Erst der Name, dann die Beschreibung, gefolgt von Symptomen und Verlauf, dem Hinweis auf verwandte Krankheiten und zu guter Letzt die Behandlungsmöglichkeit.

Selbst die harmlos daherkommende „Arbeit“ (lateinisch malochus extremus) sei nicht zu unterschätzen, warnt Krauleidis. Oftmals handele es sich hierbei um ein geradezu panikartiges Verfallen in blindes und sinnloses Herumfuhrwerken. Die Erreger dieser weitverbreiteten Krankheit lauern überall: in E-Mail-Fächern, an Telefonen, in Besprechungen, auf handgeschriebenen Zettelchen, sogar auf dem Flur („Ach, gut dass ich Sie gerade sehe! Hören Sie mal…“).

Das Heimtückische an solcher Arbeit ist, dass der Erkrankte sich wie in einem Teufelskreis immer wieder neu ansteckt. Solange es noch keinen Impfstoff gibt, rät Krauleidis, Sicherheits-Abstand zu Arbeitserregern aller Art zu halten. Behandlungsmöglichkeiten sieht er nur in Feierabend, Urlaub, Hartz IV, Rente oder Exitus letalis (zu Deutsch: Tod).

„Bürokrankheiten“ gibt es überall im Buchhandel, aber leider noch nicht auf Rezept.

Schönen Sonntag, bis der Wahnsinn am Arbeitsplatz Montag wieder losgeht…!