SonnTalk: Angemeldet!

Jenny will ihr neues gebrauchtes Auto anmelden. Sie hat alle Papiere parat außer dem TÜV-Bericht. Die Karre hat sie in Elmshorn nördlich von Hamburg bei einem Händler gekauft. TÜV hat das Ding zwar, aber keinen Bericht, und ein solcher ist auch nicht mehr zu bekommen, denn mittlerweile ist der Vorbesitzer leider verstorben.

An ihrer örtlichen Zulassungsstelle verweigert man Jenny schon am Infoschalter die begehrte Wartemarke, weil eben der TÜV-Bericht fehlt. Was wenn der Stempel und die Plakette gefälscht seien?

Man könne sich doch vielleicht telefonisch mal eben bei der Elmshorner Zulassungsstelle von der Richtigkeit überzeugen, schlägt Jenny vor.

Nee, nee, nix da! Sie solle gefälligst selbst den Bericht anfordern, sagt man ihr.

Jenny ruft im hohen Norden an. Schallendes Gelächter dröhnt durch die lange Leitung: „Sie bekommen den Bericht auf keinen Fall. Wegen der neuen Datenschutzrichtlinien! Gruß an Ihre heimische Zulassungsstelle: Die sollen uns anrufen. Wir bestätigen die TÜV-Richtigkeit den westfälischen Kollegen gerne fernmündlich.“

Jenny richtet die gute Nachricht sofort aus. Sie darf auch beim Amt wieder vorstellig werden und bekommt dieses Mal tatsächlich eine Wartemarke.

Im Glauben, sie sei jetzt auf der Siegerspur, nimmt sie nach langer Wartezeit vor einer Sachbearbeiterin Platz, die sich überhaupt nicht darin beirren lässt, weiter mit ihrer Kollegin am Nachbar-Schreibtisch die ungerechten Beförderungen und das unfaire Gehaltsgefälle im Amt durchzuhecheln. Als sie sich endlich Jennys Papieren zuwenden, kommt sie fix zu der erschreckenden Erkenntnis, dass „Der TÜV-Bericht fehlt!“.

Jenny atmet tief durch, erklärt die Sache und bittet nun um den Amts-Anruf im Norden.

„Was glauben Sie denn, welche Zeit ich wohl hätte“, bellt die Amtsperson. „Stellen Sie ihr Fahrzeug doch einfach dem hiesigen TÜV neu vor.“

Jenny atmet noch einmal durch und presst dann mühsam hervor, was sie noch als letzten Joker im Ärmel hat: Es gibt im Internet eine TÜV-Seite. Man muss nur die Fahrzeug-Nummer eingeben und – schwupp – schon wird angezeigt, ob TÜV vorliegt oder eben nicht.

„Ach, das weiß ich doch selbst“, schnauft die Amtsperson. „Was meinen Sie denn, wie viel Zeit mich das jetzt kostet, bis sich die Seite hoch lädt.“

Na, lange genug jedenfalls, um mit der Kollegin die Debatte über die Job-Ungerechtigkeiten genüsslich fortzusetzen.

Jenny hat die Anmeldung der alten Kiste ganze zwei Urlaubstage gekostet. Aber jetzt rollt das Schätzchen korrekt amtlich gekennzeichnet.

Schönen Sonntag.