SonnTalk: Bescherung

SonnTalk – Von Claudia Eckhoff

Geschenke zu Weihnachten sind ein „Muss“. Aber an wen genau richten sich vor allem die kindlichen Wünsche und Hoffnungen auf Erfüllung? Die Gesellschaft zeigt sich gespalten: Die einen halten den bärtigen, betagten Weihnachtsmann für den himmlischen Wunsch-Erfüller, die anderen das zarte Christkind. Was denn nun?

Um es gleich zu sagen: Es ist kompliziert. Weihnachten war nämlich, anders als wir heute denken, nicht schon immer ein Familien- und Geschenkfest. Es fing erst damit an, dass der katholische Mönch Martin Luther im Jahr 1517 klostermäßig die Brocken hinschmiss und später Katharina Bora heiratete, die junge Nonne, die ebenfalls der Klosterenge entsprungen war, und mit ihr eine kinderreiche Familie gründete.

Der Reformator kam zu der Überzeugung, dass man im neuen lebhaften, evangelischen Pfarrhaus an den bisher stillen Weihnachtstagen den Kindern die Geburt des Herrn im Stall altersgemäß-christlich nahebringen müsse. Er schuf also eine neue familiengerechte, Pfarrhaus-taugliche Feierform und verfasste singefreudig, wie er war, auch flink passendes Liedgut dazu.

Erfreulicher Nebeneffekt aus Sicht des Reformators: Bisher hatte der Heilige Sankt Nikolaus den Kindern Anfang Dezember Geschenke gebracht. Damit sollte jetzt Schluss sein, denn Luther hatte nicht dem Kloster und der katholischen Kirche den Rücken gekehrt, um weiterhin eine volkstümliche Heiligen-Verehrung gut zu heißen. Martin Luther machte den armen Nikolaus zwar nicht gänzlich arbeitslos, verwies ihn aber strikt in seine Schranken. „Apfel, Nuss und Mandelkern“ – mehr wurde dem Heiligen nicht mehr gestattet und ihm dafür der knurrige Knecht Ruprecht mit seiner Rute bedrohlich zur Seite gestellt.

Um den Leuten die Verehrung des gütigen Nikolauses gänzlich auszutreiben, ersann Martin Luther das himmlische, engelsgleiche „Christkind“, das aber – Achtung! – auf keinen Fall mit dem Jesuskind in der Krippe zu verwechseln ist!

Jetzt, dachte Luther, sei die Weihnachtswelt geordnet, auf die richtigen Beine gestellt und gründlich reformiert.

Und was ist fünfhundert Jahre später das Ende vom Lied? Schöne Bescherung: Das Lutherische „Christkind“ haben längst ausgerechnet die Katholiken für sich vereinnahmt. Der ausgebootete Nikolaus dagegen hat per USA-Variante („Weihnachtsmann“) wieder Einzug gerade bei den evangelischen Familien gehalten.

Anders sieht es aber überall da aus, wo die Reformation nie Fuß fassen konnte, wie etwa im erzkatholischen Italien. Wer glaubt, dass da aber bestimmt das Jesuskind persönlich die Geschenke bringt, ist völlig schief gewickelt.

Wunsch-Erfüllerin ist hier die Hexe Befana: Sie saust in der Nacht vom 5. zum 6. Januar zum Tag der Heiligen Drei Könige auf einem Besen durch die Welt und bringt die Geschenke von Haus zu Haus. Das tut sie mehr so nebenbei, während sie eigentlich nach dem neugeborenen Jesuskind sucht.

Alles klar?

Frohe Weihnacht!