SonnTalk: Falsch

Bundesoberkicker Jogi Löw hat am Mittwoch zähneknirschend eingestanden, bei der WM in Russland wohl nicht die richtige Taktik gewählt und viel zu viel Arroganz an den Tag gelegt zu haben. Nun denn, Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung, sagte Oma immer.
Diese Selbsterkenntnis hatte der DFB hingegen ein paar Tage zuvor vermissen lassen, als ihm der Titel „Sprachpanscher des Jahres“ zuerkannt wurde. Es ging hierbei um den Spruch „Best never rest“, der in den WM-Tagen stets genutzt wurde, wenn es um die DFB-Mannschaft ging. Nun hätte der Fußballverband entweder einfach zur „Ehrung“ schweigen oder er hätte sich humorig äußern können, doch auch er wählte lieber die falsche Taktik: Angezickt und arrogant verwies ein DFB-Sprecher vor allem darauf, dass der Spruch nicht aus dem eigenen Hause stamme.

Verliehen wird die eher zweifelhafte „Sprachpanscher-Ehrung“ von einem Verein, der sich den Schutz der deutschen Sprache auf die Fahnen geschrieben hat. Doch eigentlich bildet er fast immer nur eine Facette des Sprachpanschens ab – nämlich die, in der es um englische Wort- oder Satzschöpfungen geht. Dabei gibt es eigentlich auch viele Gelegenheiten, auf originär deutsches Gepansche zu schauen.

Man nehme beispielsweise die immer häufiger zu hörende Formulierung „diesen Jahres“. Warum – zum Kuckuck – wird hier seit geraumer Zeit und mit zunehmender Tendenz der gute, alte Genitiv über Bord geworfen und nicht mehr die richtige Formulierung „dieses Jahres“ angewandt? Bislang kommt noch niemand auf die Idee, „An den Reifen diesen Autos“ oder „in den Haaren diesen Kindes“ zu sagen, aber ein solches Sprachgeschwurbel wird in der Konsequenz bestimmt bald folgen.

Ein trauriges Kapitel der neueren deutschen Sprache zeigt sich auch bei den Wörtern „auf“ und „offen“. Immer seltener hört man hier eine korrekte Verwendung. Die meisten Menschen sagen mittlerweile „Die Tür ist auf“. Gruselig. „Ich mache die Tür auf“, wäre richtig. Danach ist sie „offen“ oder „geöffnet“, aber eben nicht „auf“. Wäre sie „auf“, müsste es im Umkehrschluss auch heißen können: „Eine aufe Tür“.
Von Spitzfindigkeiten wie „Wer brauchen ohne ‚zu‘ gebraucht, braucht brauchen nicht zu gebrauchen“, wollen wir gar nicht erst reden. Ist für 90 Prozent der Deutschen längst zu schwierig geworden.

Nicht schwierig hingegen ist es, unseren üblichen Gruß am Ende dieser Kolumne zu verstehen, auch wenn er diesmal auf Englisch formuliert ist und wir deshalb wahrscheinlich ebenfalls zum Kandidaten für den Panscher-Preis werden: „Have a wonderful Sunday!“