SonnTalk: Lahmer Vogel

SonnTalk – Von Claudia Eckhoff

Familie Liebherr saß mit vierfach Gepäck und vierfach Tauchausrüstung im Urlaubsflieger am Düsseldorfer Flughafen. Fünf Tage Tauchen waren gebucht, drei Tage lang wollten sie ägyptische Kultur und Geschichte erkunden.

Aber statt vom Rollfeld abzuheben, schmorten die Fluggäste in einer litauischen Maschine bei Affenhitze vor sich hin. Nach einer Dreiviertelstunde wurde ihnen immerhin ein Schlückchen Wasser gereicht.

Dann wurden die schlechten Nachrichten serviert: Eine Hilfsturbine funktioniere nicht. Und es fehle an Bodenpersonal. Als plötzlich der Bundesgrenzschutz zustieg, um die Maschine zu inspizieren, wurde es nicht nur den Liebherrs mulmig. „Alle aussteigen“ hieß es. Kaum standen alle neben der Maschine, hieß es umgekehrt „Alle wieder einsteigen“.

Jetzt stieg auch die Polizei zu und nahm den Flieger in strengen Augenschein. Eine halbe Stunde später wurden alle Passagiere wiederum aus dem Schwitzkasten entlassen und mit Bussen zum Terminal gefahren, wo jeder sein Gepäck zurückbekam. Ein Bote verkündete, dass das Maschinchen heute gar nicht mehr flöge. Man möge sich am Schalter melden, wo Hotelzimmer zugeteilt würden.

Die Liebherrs landeten statt in Ägypten in einem Düsseldorfer Edel-Hotel mit Wellness-Gutschein, Schwimmbad-Nutzung und Cocktails an der Bar. Lustig? – Erst ja. Aber das mühsame Lachen verging den Liebherrs, als auch am nächsten Tag der „Vogel“ nicht fliegen wollte, nachdem es stundenlang per digitaler Eilmeldungen aufs Handy mal so, mal so, mal wieder ganz anders geheißen hatte. Die Familie wurde mehrfach vergeblich samt ihrem Monstergepäck zum Auschecken in einem aufgeregten Tumult an der Rezeption vorstellig und musste immer wieder abdrehen. Passagiere, die mit anderen Reiseveranstaltern gebucht hatte, wurden dagegen fix auf Flüge ab Frankfurt umgebucht und waren auf und davon. Verflixt! Umbuchen? Tja, das hätte ab Frankfurt und über Istanbul 700 Euro gekostet – pro Person versteht sich!

Als die Liebherrs nach der nun schon zweiten Nacht in Düsseldorf auschecken wollten, erfuhren sie, dass der litauische lahme Vogel nun leider völlig die Flügelchen gestreckt habe. Hoffnungsschimmer: Eine Flugalternative tat sich auf ab Frankfurt für immerhin noch 525 Euro extra für alle vier zusammen.

Mama Liebherr rief ihre Freundin in Frankfurt an und erbat Nachtasyl für die Familie. Alle vier samt vierfach Gepäck und vierfach Tauchausrüstung fuhren per Shuttle vom Hotel zum Flughafen Düsseldorf, von dort zum Düsseldorfer Hauptbahnhof, dann zum Frankfurter Flughafen (um das wuchtige Gepäck loszuwerden – gegen saftige Gebühr natürlich), danach zum Frankfurter Hauptbahnhof und von dort per Taxi zur Wohnung der Freundin.
Am nächsten Morgen – Danke! Danke! Danke! – brachte die sie im Auto zum Flughafen. Und dann ging es doch tatsächlich endlich in die Lüfte.

Alles wird gut. Früher oder später. Irgendwie. Meistens.
Schönen Sonntag.