SonnTalk: Mühen müssen

Das war vielleicht ein Sommer! Wochen und Monate lang kam kaum ein Tropfen vom Himmel. Die Bäche trockneten aus. In den Seen sind die Fische erstickt.
Um alles im Fluss zu halten, mussten die Talsperren ohne Ende zuschießen. Der Wald hat geächzt. Im Garten verdorrten die Hortensien. Mancher verzweifelte Gärtner übte sich im schamanischen Regentanz.
Furchterregend war die Dürre. Beängstigend. Das Vieh auf den Weiden hatte nichts zu fressen. Der Mais wuchs vielerorts kaum über Kniehöhe hinaus und erinnert eher an getrockneten Tabak. Manchem Bauern ist jetzt gar nicht nach einer Erntedank-Feier zu Mute.
Beim Getreide zeichnet sich die niedrigste Ernte dieses Jahrhunderts ab. Das wird teuer: Um 30 Prozent wird der Mehrpreis wohl zulegen müssen.
Arme Linda, arme Annabelle, arme Gala: Besonders bei der Kartoffelernte sieht es zum Heulen aus.
Da haben wir es: Nichts ist selbstverständlich. Was in diesem Jahr wuchs, tat es nur mithilfe von gekauftem Wasser aus der Sprenkler-Anlage.
Ein Blick zurück in die Entwicklung der Landwirtschaft: Im Jahr 1900 ernährte ein Bauer im Schnitt fünf Menschen, 1970 schon 29, 1980 bereits 46, 1990 dann 80 und im Jahr 2000 unglaubliche 125, Tendenz weiter steigend. Vorausgesetzt eben, es regnet auch.
Und was kostet uns, was die Felder erbringen? Für einen Liter Milch arbeiten heutige Verbraucher nur vier Minuten lang. Im Jahr 1950 waren es noch volle 17 Minuten. Ein Kilo Schweinefleisch ist heute in rund 40 Minuten verdient, damals hat man dreieinhalb Stunden für den Braten schuften müssen. Für zehn Eier bringen wir heute generell nur etwa zehn Arbeitsminuten auf. Vor siebzig Jahren haben sich die Menschen dafür zehn Mal so lange mühen müssen.
Ob die fetten Zeiten wegen des Klimawandels vorbei sind? Trotzalledem: allen Lesern einen schönen Sonntag.

von Claudia Eckhoff