SonnTalk: St. Martin auf zwei Rädern

SonnTalk – Von Bärbel Taubitz

Peter hatte einen schweren Fahrradunfall. Auf dem Radweg zur Jahrhunderthalle in Bochum geriet er vergangene Woche unglücklich vom Asphalt in den Schotterrandstreifen, verlor die Kontrolle über sein Rad, blieb mit dem Lenker im Seitenzaun hängen und stürzte hinein. Dabei zog er sich nicht nur zahlreiche Prellungen und Schürfwunden zu, sondern riss sich seine Hand an einem Pfosten auf.

Zwei Radfahrer hatten seinen Sturz beobachtet und eilten sofort zu ihm. Einer rief einen Krankenwagen. Der andere zog sein Trikot aus und wickelte es kurzerhand um die stark blutende Hand.

Als der Notarzt schließlich eintraf, wurde Peter vor Ort versorgt und per Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht. Dort richtete man Knochen, baute zerstörte Sehnen auf und nähte die Hand zu.

Als der Radfahrer nach der OP wieder zu sich kam, wurde ihm klar: Er hatte sich weder die Namen noch die Telefonnummern der beiden Helfer notiert. Es war alles so schnell gegangen. Im Handumdrehen lag er im Krankenwagen, das Trikot hatte er dem beherzten Helfer gerade noch zurückgeben können. Natürlich blutverschmiert. Wie der Mann wohl nach Hause gekommen ist? „Ich vermute mal, mit nacktem Oberkörper, falls er kein Ersatzhemd dabei hatte“, sagt Peter nachdenklich. „Und ich konnte ihm noch nicht mal danke sagen!“

Das sei nun an dieser Stelle getan: Danke an Euch beide, die Ihr dem verletzten Radler geholfen habt! Das war großartig von Euch und in Zeiten wachsender Wegguck-Kultur nicht selbstverständlich. Falls Ihr dies nicht selber lest, dann vielleicht Gleichgesinnte, die auf den Radwegen und in den Biergärten zwischen Volme, Lenne, Ruhr und Rhein unterwegs sind und denen dieses Erlebnis zufällig erzählt wurde. Vielleicht gibt es sogar jemanden, der diesen Dank an der richtigen Stelle anbringen kann. Besonders bei dem modernen St. Martin, der sogar sein komplettes Hemd gegeben hat, um damit einem Menschen in Not zu helfen. Und der in Kauf nahm, anschließend halbnackt von dannen fahren zu müssen.

Peter geht’s den Umständen entsprechend gut. Es ist davon auszugehen, dass er eines Tages auch wieder radeln kann. Ob er’s dann tut, steht auf einem anderen Blatt. Nicht nur, weil er aus eigenem Verschulden erneut einen Unfall bauen könnte. Sondern auch wegen der zunehmenden Zahl von Pedaleuren, die ohne Rücksicht auf Verluste durch die Welt rasen – ob als „Mal eben“- Geisterfahrer auf vielbefahrener Straße, auf dem Radweg oder Bürgersteig durch dichteste Menschengrüppchen oder in hemmungslos dreistem „Sturzflug“ durch gemütlich radelnde Ausflügler. Vor ihnen ist man nirgendwo sicher. Da ist es egal, wie vorsichtig man selber fährt. Aber auch das steht auf einem anderen Blatt.

Einen schönen und sicheren Sonntag allerseits – und ganz wichtig: bitte nur mit Helm aufs Rad!