SonnTalk: „T“ wie teuer

SonnTalk – Von Claudia Eckhoff

Was machen Sie eigentlich, wenn Sie was auf die hohe Kante legen? Begnügen Sie sich mit einem Null-Zinsen-­Sparkonto? Oder folgen Sie dem Rat Ihrer Banker und kaufen Aktien?
Auf der Liste der weltgrößten Unternehmen steht sie auf Platz 79. Sie gehört zu Europas wichtigsten Telekommunikationsunternehmen und verfügte Anfang letzten Jahres über einen Börsenwert von 81 Milliarden Euro: Die Deutsche Telekom AG. Sie betreibt technische Netze für Telefone, Mobilfunk und Online-Dienste. Das Licht der Anleger-Welt erblickte sie 1996, als die damals staatliche Deutsche Bundespost privatisiert wurde.

Hipp-Hipp-Hurra: Am 18. November 1996 ging es erstmals an die Börse mit der „T-Aktie“. Mit einer beispiellosen TV-Werbekampagne mit dem beliebten Schauspieler Manfred Krug, den wirklich jeder kannte und schätzte, pries das Unternehmen seine Anteils-Scheine an.
„Volksaktie“ nannte sie sich werbewirksam und sollte sich flächendeckend an Otto und Ilse Normalverbraucher verkaufen. Willkommen im Land der Aktionäre!

Reich geworden ist aber kaum ein Bürger damit. Skandale hat es reichlich gegeben. Unvergesslich, wie Ron Sommer als Vorstandsvorsitzender nach massiven Kurseinbrüchen 2002 mit einer atemberaubenden Abfindung in die Wüste geschickt wurde.

Heute, 17 Jahre später, hat Wk-Leser Jens immer noch Wut-Schaum vorm Mund. Dabei war er nie selbst T-Aktionär. Aber sein Schwiegervater hat ein kleines Aktiendepot hinterlassen. Die gerade mal 28 Papierchen im heutigen Geamtwert von bescheidenen 414,40 Euro ruhten bei einer Frankfurter Großbank so vor sich hin, ohne auch nur das kleinste bisschen Wertsteigerung anzusetzen. Die digitale Verwaltung und Verwahrung dieses Mini-Vermögens während des vergangenen Jahres stellt die Großbank nun den Erben mit 58,60 Euro in Rechnung. Das entspricht satten 13 Prozent des Gesamtwertes.

Jens sputete sich, um die Papiere zu echtem Geld zu machen, um weitere teure Dienstleistungen zu vermeiden. Jetzt bekam Jens die Rechnung für den Wertpapierverkauf und hat wieder Schaum vorm Mund: 53,61 Euro verlangt seine Großbank für die Transaktion. Damit haben sich 27 Prozent der 414,40 Euro an Schwiegervater-Ersparnissen in Luft aufgelöst. Jens überlegt nun, ob er nicht fix noch auf „Bänker“ umschulen soll.
Schauspieler Manfred Krug übrigens, die Werbe-Galionsfigur der T-Aktie, hat sich später öffentlich entschuldigt: Die Werbekampagne sei der größte Fehler seines Lebens gewesen.

Schönen Sonntag.