Total zerhackt

Es gibt Jungen und Mädchen. Insgesamt nennt man sie Kinder.
Es gibt Brüder und Schwestern. Zusammengenommen sind’s Geschwister.
Es gibt Männer. Und es gibt Frauen. Gemeinsam heißen sie Menschen.
Wenn man diese alle bündelt, nennt man sie meist auch einfach Menschen. Man kann auch sagen Leute. Oder, wenn‘s förmlicher sein soll: Personen.
Alle diese Benennungen machen – soweit ich weiß – niemanden unglücklich und verletzten keine Gefühle. Schwieriger wird es aber mit der Bezeichnung Erwachsener zweierlei Geschlechts, sobald es in die Einzelheiten geht: Radler und Radlerinnen. Helfer und Helferinnen. Wähler und Wählerinnen. Lehrer und Lehrerinnen. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, Bürger und Bürgerinnen.
Ach, da ist man doch froh, um jedes einzelne Wort, das keine Fisimatenten macht. „Gast“ ist so ein Wort. Es gibt den Gast und die Gäste, aber eben keine Gästin und Gästinnen.  
Sprechen lässt sich das mit der männlichen und weiblichen Doppel-Form noch ganz gut, wenn auch etwas langatmig. Aber schriftlich raubt es sowohl dem Schreiberling als auch dem Leser den allerletzten Nerv. Außerdem frisst es zu viel Papier und Druckerschwärze. Deshalb hatte man ja schon verkürzt auf Radler/-innen, Helfer/-innen, Wähler/-innen, Lehrer/-innen und so weiter.
Weil das getippt total zerhackt aussieht, hat man bald lieber die softige Schmelzform vorgezogen: RadlerInnen. HelferInnen. WählerInnen. LehrerInnen. Das wiederum sieht auf die Dauer so dämlich aus, als hätte die Tastatur einen Hau. Klemmt da etwa das kleine „i“? Oder ist der Verfasser etwa der deutschen Rechtschreibung nicht ganz mächtig?
Und wie hört sich das an, wenn es laut gelesen wird? Na? – Genau: Als gäbe es nur noch Weibsleute!
Die Unis in Leipzig und in Potsdam haben jetzt genug von dem ganzen geschlechtergerechten Gesumse-Brumm, das kein Mensch mehr lesen kann, ohne durchzudrehen. Der Hochschulsenat hat entschieden: Von jetzt an soll es nur noch weibliche Formen geben. Mit der Bezeichnung „Professorin“ soll ab sofort auch der männliche Hochschullehrer gemeint sein, mit „Rednerin“ auch der männliche Vortragende.
Mann! Damit sind wir doch wieder bei Adam und Eva angelangt. Oh, Verzeihung: Bei Eva. Womit sich natürlich auch Adam gemeint fühlen soll.
Wo das enden wird?: Sitzen zwei Frauenrechte-Rebellinnen am Frühstückstisch. Sagt die eine zur anderen: „Gib mir doch bitte mal die Salzstreuerin.“
Schönen Sonntag!