Staubstinker

Silvester ist schon wieder ein Wöchelchen her – aber immer noch erhitzt der letzte Jahresausklang die Gemüter. „Zwei Tote, etliche Verletzte, Hausbrände und krasse Feinstaubbelastung: Ist es Liberalität, diesem alljährlichen Wahnsinn zuzusehen? Oder kann das weg?“ Als der SPD-Politiker Christopher Lauer diese naheliegende Frage am Dienstag in „Zeit online“ stellte, prasselte ein „Gewitter“ mit weit, weit über 1000 Kommentaren auf ihn nieder.

Nein, gegen ein nettes, friedliches Silvesterböllern wird kaum einer etwas einwenden wollen. Das gehört zur deutschen Tradition und Leitkultur. Aber die Exzesse in manchen deutschen Städten waren schwer verdaulich.

Immer häufiger scheint es insbesondere besoffenen jungen Männern eine Riesenspaß zu machen, andere Menschen mit Raketen und Böllern zu beschießen. Der berühmte deutsche Philosoph Immanuel Kant glaubte vor 200 Jahren, der Mensch sei ein mit Vernunft gesegnetes Wesen. Vor allem an Tagen wie an diesem 31. Dezember 2017 konnte man jedoch mancherorts in Deutschland seine Zweifel haben – vor allem bei jenen, die mit gefährlichen und obendrein illegal eingeführten „Polen-Böllern“ ihre Nachbarschaften aufmischten.

Christopher Lauer führt zudem die Feinstaubbelastung ins Feld. Nun ja, auch die war tatsächlich nicht ganz ohne. Schätzungsweise 5000 Tonnen seien allein in Deutschland in dieser einen einzigen Nacht in die Luft geblasen worden, schätzt das Umweltbundesamt.

Zum Vergleich: der gesamte deutsche Straßenverkehr bläst uns jährlich „nur“ rund 30.000 Tonnen in die Nasen. Wohlgemerkt: pro Jahr!

Wer sich aber darüber jetzt aufregt und die Abschaffung des traditionellen Silvester-­Geknatters fordert, kann rasch in die Argumentationsfalle geraten – vor allem, wenn er Kreuzfahrt-Fan ist. Denn gerade die schwimmenden „See-­Riesenhotels“ gehören zu den schlimmsten Stinkern auf dem Globus. Deswegen dürfen beispielsweise fünf norwegische Fjorde ab 2019 auch nicht mehr von allen Kreuzfahrtschiffen angefahren werden. Etwa die Hälfte der bislang dort verkehrenden „Pötte“ könnte betroffen sein. Auch anderswo auf der Welt – etwa in Venedig – wird über Einschränkungen nachgedacht.

Also, werte Leser, wenn Sie jenseits von Silvester noch einmal so richtig stinken wollen, müssen Sie sich sputen und rasch eine Tour buchen.

Schönen Sonntag.