Steht der Baum?

SonnTalk – Von Claudia Eckhoff

Jawoll, sämtlich Kollegen melden Vollzug. Susanne ist die Radikalste: Ab dem ersten Advent erstrahlt bei ihr die komplette Bude im vollen Weihnachtsglanz, samt Baum. „Das ist ja so gemütlich. Ich liebe das.“ Aber eben nur bis zum Fest. „Dann reicht es mir – und zwar richtig“, sagt Suse. Am Tag danach bringt sie dem Bäumchen gnadenlos das Fliegen bei und packt den ganzen ‚Weihnachts-Kram‘ auf den Dachboden zurück. Schluss! Neues Jahr, neues Glück.
Kollegin Mira kann sich dagegen gar nicht trennen vom Weihnachts-Look ihrer vier Wände. Kein Wunder: Allein der Baumkauf vor Beginn der Adventszeit stellt sie und ihre Mutter vor große Herausforderungen. Sie fahren gleich mehrere Anbieter und Höfe ab und können und können und können den idealen Baum nicht entdecken.

Und wenn sie ihn dann doch endlich gefunden haben, wie könnten sie ihn dann schon im Januar wieder rausschmeißen? Einmal stand in Miras Studenten-Butze der Baum weit im Februar immer noch. „Meine Wohnung hat eben schon Karneval“, hatte sie das entschuldigt. „Sie verkleidet sich gern weihnachtlich.“

Azubi Laurenz ist der offizielle Weihnachtsbaum-Beauftragte seiner Familie. Und seit er sein erstes Geld verdient, spendiert er den Baum sogar. Seine Eltern stehen auf schrillen, bunten Baumschmuck: Geflügelte Elefanten, Nilpferde mit Krönchen, dralle Ballerinas, Flamingos, Schweinchen auf Motorrad und so etwas. Aber neben ihren Baum stellen sie immer ein Podest mit einer Wasserschale. Da hinein legen sie eine ‚Rose von Jericho‘. Diese völlig vertrocknete graue Wüstenpflanze belebt sich allmählich und öffnet sich neu ergrünt.
Und bei uns? Na, da müssen immer Äpfel an den Tannenbaum. Die sollen uns grüßen von dem Ort, aus dem wir Menschen einst übel rausgeflogen sind und wohin uns alle das ewige Heimweh zieht – dem Paradies.

Schönen Sonntag und frohe Weihnachten.