Tasche zu?

Den Griechen mit unseren Steuergeldern helfen? Da kocht Volkes Seele und einige Zeitungen reiten genüsslich auf dieser Welle. Ist ja auch zu ärgerlich.

Trotzdem. Wir sollten, wir müssen helfen. Warum? Vor genau 65 Jahren war der Zweite Weltkrieg zu Ende. Deutschland lag am Boden. Verzweiflung, Trostlosigkeit, Leid und Hunger. Die Deutschen hatten vorher großen Mist gebaut. Sie hatten diesen Krieg angefangen, ganz Europa mit einer nie gekannten Verwüstung überzogen, mit Millionen an Opfern.

Es waren hauptsächlich die Amerikaner, die uns mit der Marshallplan-Hilfe großzügig wieder auf die Füße halfen. Und auch die anderen europäischen Länder nahmen uns auf in einen Staatenbund, aus dem die Europäische Union wurde. Die EU schaffte einen nie gekannten Wohlstand – für alle wohlgemerkt und nicht nur für die Superreichen.

Jetzt hängen die Griechen am Fliegenfänger. Sicher, sie haben mit Krediten einen aufgeblähten Beamten-Apparat, staatlichen Schlendrian und ein unbezahlbar üppiges Renten-System finanziert. Außerdem haben sie die anderen Euro-Länder jahrelang über ihre wirkliche wirtschaftliche Lage belogen. Schlimm. Und nun liegen sie auf dem Bauch.

Und die Deutschen? Sie sind europaweit führend darin, finanzielle Hilfen abzulehnen. Merkel und Co. werden umfragemäßig kräftig abgewatscht für Stützungskredite an Griechenland.

Peinlich. Den Deutschen hat man geholfen, als sie im Dreck steckten. Jetzt können die Deutschen Dank zeigen, könnten etwas wiedergutmachen. Und was tun sie? Sie gefallen sich als international führende herzlose und eigennützige Geizkragen, dass man sich vor Scham verbuddeln möchte.

Ist eine unsolide Haushaltspolitik etwa schlimmer, als einen Weltkrieg anzufangen? Haben wir nicht allen Grund – nach unseren eigenen Erfahrungen in der Not – jetzt selber auch zu helfen, wenn wir können?

Die europäische Staatenfamilie hat uns einen 65-jährigen Frieden beschert, auch das war bisher in der Geschichte unbekannt. Wenn ein Familien-Mitglied Mist baut, dann wird ihm geholfen und er wird von der Familie unterstützt, auf den rechten Weg zurückzukehren. Die Griechen dürfen natürlich nicht so weitermachen wie bisher, logo. Aber zunächst ist Hilfe angesagt, alles andere wäre erbärmlich.

Und wenn wir weiter so zackeln? Gnade uns, falls die Deutschen jemals wieder in Not geraten. Wenn dann die anderen Völker genauso selbstsüchtig und tiefgekühlt handeln würden wie wir – nicht auszudenken.

Gott sei Dank hat es der Deutsche Bundestag in letzter Minute die Sache durchgewunken.

Schönen Sonntag!

8. Mai 2010