Teuflische Gabeln

Wer weiß eigentlich noch, wozu ein Waschbrett dient? Oder ein „Winker“ am Auto? Wer kennt noch den „Henkelmann“, und wer benutzt noch regelmäßig einen Kohleneimer, ein Einweck-Glas oder eine Sense?

Viele Dinge gehören selbstverständlich und unverrückbar zu unserem täglichen Leben. Undenkbar, dass sie einmal überflüssig, nutzlos, veraltet und bestenfalls noch nostalgisch sein werden. Und doch schlägt auch diesen Dingen irgendwann die letzte Stunde und wir leben heiter weiter, auch ohne sie. Dann ist eben Sense.

Viele Gerätschaften verwenden wir scheinbar schon seit ewigen Zeiten. Denkste.

Messer und Gabel zum Beispiel. Noch im Mittelalter aß man hierzulande mit den Fingern. Man löffelte Brei und Suppe und schnitt Großes klein, aber man aß mit den Fingern. Das waren die Zeiten, als unsere Vorfahren auch noch keine Tische hatten. Zu Mittag hob man eine Zimmertür heraus und servierte darauf. Anschließend wurde die Platte abgewischt und wieder eingehängt. Fertig.

Im fernen Byzanz gab man sich fein und gabelte das Essen. Bei uns beäugte die Kirche die dreizackige Gabel als „Teufelswerk“. Hildegard von Bingen jedenfalls soll sie für gottlos gehalten haben. Auch Martin Luther war ein Gegner des für weibisch geltenden Essbestecks: „Gott behüte mich vor Gäbelchen!“

Sage und schreibe erst vor 250 Jahren wurde die Gabel an heimischen Tafeln geduldet. Sie wurde elegant geformt und gebogen. Nun konnte man nicht nur dicke Brocken aufspießen, sondern auch damit schaufeln. Sogar Kuller-Erbsen!

Wobei sich diese hohe Form der Esskunst noch steigern lässt. Die Engländer auf ihrer Insel weit draußen in der Nordsee sind die wahren Meister: Sie essen praktisch täglich giftgrüne Erbsen und balancieren sie dabei auf der umgedrehten Gabelrückseite zum Munde. – Ungelogen! – Machen Sie das mal nach – solange es noch Gabeln gibt…

Schönen Sonntag!