Von Flug und Crash – mit Fug und Recht

Der Mann hat Nerven – wie Gummiseile. Er ist Ex-Stuntman, Abenteurer und Betreiber einer Bungee-Sprunganlage: Jochen Schweizer.

Viele werden sich erinnern. Am 20. Juli 2003 sprang ein 31-jähriger Mann vor den Augen seiner Freunde vom Dortmunder Fernsehturm in den Tod. Das Seil an seinen Füßen war gerissen. Trauer und Entsetzen lähmten die Menschen.

Gutachter begannen, das Geschehen zu durchleuchten. Eine der Kernfragen: War es zu heiß für den Bungee-Sprung? Das Seil, so hieß es immer wieder, sei nur für Temperaturen zwischen fünf und 35 Grad zugelassen. Rechts- und Staatsanwälte schaufelten ihre Argumente in die Waagschalen von Justitia.

Sie stapeln immer noch. Vor fünf Jahren hatte das Amtsgericht die Eröffnung einer Hauptverhandlung gegen Schweizer abgelehnt. Das Gericht hielt es für ungeklärt, warum das Bungee-Seil gerissen war. Die Staatsanwaltschaft legte Beschwerde ein. Es folgte ein neues Gutachten.

Auf die Verhandlung gegen den Verantwortlichen warten Angehörige und Freunde des Verunglückten immer noch – mehr als sieben Jahre nach dem Todessprung. Sie soll nun Anfang 2011 stattfinden. Fahrlässige Tötung legt die Staatsanwaltschaft dem ehemaligen Betreiber der Bungee-Anlage zur Last. Im Falle einer Verurteilung drohen Schweizer bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe.

Während sich Juristen den Kopf zerbrechen, kommt es in München zu einem weiteren schweren Unfall an einer Bungee-Anlage – ein Tochterunternehmen von Jochen Schweizer. Ein blutjunges Pärchen stürzt nach erfolgreichem Tandemsprung kopfüber auf den Boden. Beide erleiden schwerste Verletzungen. Jochen Schweizer lässt ausrichten, wie leid ihm das tue. Er hoffe, das junge Paar werde überleben und wieder vollständig gesund.

Jetzt hat Schweizer seine Memoiren geschrieben. Titel des Buches: „Warum Menschen fliegen können müssen“.

Gütiger Himmel!

Einen schönen Sonntag! Möge das einzige fliegende Wesen in Ihrer Umgebung ein Schutzengel sein!