Wenn es Brei regnet

An den Glückstagen unseres Lebens regnet es Brei. Wohl dem, der dann sein Löffelchen dabei hat. Wehe dem, der nicht

Sybille ist ein Fuchs, wenn es um Sonderangebote und Schnäppchen geht. Da lässt sie nichts anbrennen. Da ist sie immer ganz vorn am Wühltisch. Zum Winterschlussverkauf fuhr sie sogar in die Landeshauptstadt, um richtig abzuräumen. Die stundenlange Schnäppchen-Jagd verlief reibungslos und durchaus erfolgreich. „Toller Einkauf“, frohlockte Sybille – bis sie abends ihren Parkschein in den Zahlautomaten steckte. Dieser teilte ihr gefühllos mit, sie habe, bitte schön, stramme 25 Euro zu blechen. Sybille lag röchelnd am Boden.

Mark dagegen ist bescheiden und sparsam. Der junge Mann arbeitet seit Jahren fast Tag und Nacht als selbstständiger Designer in Sachen Kommunikation und Werbung. Auf ihn können sich seine Kunden verlassen. Er ackert unentwegt und gönnt sich nichts. Fast nichts. Erst, als bei seinem Badezimmerschrank schon die Tür abgefallen war und aus seinem Schreibtischstuhl die Polsterung herausquoll, machte er sich auf ins Riesen-Einrichtungshaus. Erst zögerlich kam er nach und nach in einen richtigen Kaufrausch und schlug mächtig zu. Der Kassenbon war lang, die Endsumme hoch und der Wagen voll. So muss das auch sein, wenn man sich endlich mal was gönnt, oder?

Erst zwei Wochen später nahm der Nachwuchs-Geschäftsmann den Bon zum Weiterreichen an seine Steuerberaterin genauer unter die Lupe. Es haute ihn fast vom neuen Schreibtischstuhl, als ihm klar wurde, dass die Kassiererin sich satt vertippt hatte: Statt der bescheidenen zwei neuen Wassergläser hatte die Gute sagenhafte 52 Gläser abkassiert

Katinka lebt stets nach der Devise: Bloß kein Luxus, bloß nichts zu viel. Manchmal „erbt“ sie Klamotten von einer Dame, die aus ganz anderem Holz geschnitzt ist und sich ausschließlich in feinstes Tuch hüllt. Das sind erlesene Sachen, das merkt man gleich, das trägt sich ganz anders und Katinka tut es beglückt. Als sie aber die lila Baumwolljacke, die sich trägt wie ein Traum, wieder aus dem 40-Grad-Waschgang hervorzog, war das Ding um zwei Kleidernummern geschrumpft, stumpf und filzig. Jetzt erst guckte Katinka, Schlimmes ahnend, auf das Etikett – und sank in die Knie: 30 Prozent Seide und 70 Prozent – KASCHMIR! Handwäsche wär’s gewesen

Und Ihr Löffelchen? Haben Sie’s zur Hand, wenn Sie‘s mal brauchen?

Schönen Sonntag!