Wunschzettel

Hurra, der Aufschwung ist da! Muss, ja, denn sonst würden wohl die meisten Automobilhersteller nicht ihre Belegschaft in den Ferien durcharbeiten lassen! Natürlich ist das auch wieder nicht richtig. Wenn Absatzkrise und Entlassungen – böse. Wenn die Verkäufe brummen und Ferien-Zusatzschichten – böse. So sind die Zeiten.

Freuen wir uns also einfach über die gute Konjunktur. Angeblich ist sie auch beim Verbraucher angekommen. Merken Sie was? Kribbelt es? Juckt‘s im Portemonnaie?

Konsumforscher wissen das immer schon eher als wir selbst. Sie sagen voraus, dass Sie – ja, genau Sie – in diesem Jahr für Geschenke und Festtagsbraten 470 Euro ausgeben werden.

Das ist deutlich mehr als im trüben Wirtschaftskrisenjahr 2009. Aber immer noch wenig im Vergleich. Der europäische Durchschnitt im Weihnachtsgeld-Verplästern liegt bei üppigeren 590 Euro. Obwohl die meisten anderen Länder deutlich ärmer sind als wir, lassen sie es dort zu Weihnachten richtig „knacken“.

Bei den Iren allerdings wird es dieses Jahr krisenbedingt deutlich magerer zugehen. Aber auch das ist relativ. Das urwüchsige, beinharte, rothaarige Inselvolk ist nämlich für seine rauschenden Feste seit vorchristlichen Urzeiten bekannt – ach was: berüchtigt! – und so hauen die fröhlichen, sommersprossigen Iren voraussichtlich zu diesem Weihnachtsfest trotz geplanter 10,6 Prozent Einsparungen immerhin noch durchschnittlich pralle 1020 Festtags-Euro auf den Kopf.

Was schenkt man sich denn überhaupt in diesem Jahr? Das wär‘ doch mal ‚was Anderes: ein Schminkköfferchen für Papi und ein Rasierapparat für die Oma, einen Bungee-Jumping-Gutschein für den Opa, einen Schlagbohrer für die liebe Mami, einen Melker-Lehrgang für das grün angehauchte Bruderherz, einen Teilchenbeschleuniger – zum schnelleren Verzehr schmackhafter Backwaren – für das mollige Schwesterchen, Mondgrundstücke für den Patenonkel oder Schlittschuhe mit LED-Beleuchtung für die hüftkranke Tante. Angesagt sind auch handgewebte Mauspads, selbstgeschnitzte Marterpfähle, ausgestopfte Quietsche-Entchen, dekorative Salonlöwen, Angora-Wämschen für den Fiffi, selbstreinigendes Porzellan, nachwachsende Gebisse, Bastelbogen für ein Nilpferd aus Teppichbodenresten, Wintermützen mit Standheizung und integriertem Radio, Fahrräder mit eingebautem Rückenwind, Angelsets inklusive Fanggarantie, Nerz-Dessous, solar-angetriebene Erdnussknacker, aber auch wirklich nützliches wie ein Rasierspiegel, der die morgendlichen Knitter- und Katerfalten ausblendet.

Im himmlischen Weihnachtsversandhaus jedenfalls – so wissen wir aus gesicherter Quelle – stehen dem Personal die Barthaare zu Berge…

Einen schönen dritten Advent!