Yvonne im Sommerloch

Kaum haben die großen Ferien begonnen, da zeigt das Sommerloch seine langweilige Fratze. Interessante Meldungen sind spärlich geworden. Es passiert einfach nichts mehr.

Um so erwartungsvoller lauert der Leser bei recht gemäßigten Sommertemperaturen, unterbrochen von regelmäßigen Regengüssen, auf kleine, erbauliche Nachrichten, die das Herz erfreuen. Doch woher nehmen?

Tiergeschichten laufen immer. Das haben wir in den letzten Sommern gelernt. Erst war es ein Bär, der die Wälder unsicher machte. Dann kam ein Krokodil seinem Besitzer in einem Baggersee abhanden. Gefährliche Tiere mit süßen Namen wie „Sammy“ oder „Bruno“. Spektakuläre Treibjagden an heißen Sommertagen erregten unsere Gemüter.

Jedes Jahr ein Dauerbrenner ist die Wespenplage. Die Sensation dieses Sommers ist aber, neben dem Puma in der Toskana, die Kuh Yvonne. Schon fast drei Monate hat sie sich im Wald versteckt. Täglich erreichen uns neue Nachrichten von dem durchgeknallten Milchvieh. Es ist das Sommer-Drama 2011.

Kuh-Versteher werden interviewt. Sie beantworten drängelnde Fragen wie: „Kann Yvonne im Wald überleben, auch bis in den Herbst hinein?“ – „Warum lässt sie sich nicht einfangen, obwohl sie an Menschen gewöhnt ist?“

Vielleicht, weil sie derzeit einfach als Fluchttier zu wichtig ist. Für die Nachrichten-Agenturen ebenso wie für die Tierschützer, die viel Eigenwerbung mit der Kuh betreiben und eine Aussetzung der Abschussverordnung bis zum 26. August bewirkten.

Denn dann geht die nachrichtenarme Zeit zu Ende und kein Schwein wird sich mehr für ein ausgebüxtes Rindviech interessieren. Und im nächsten Sommer wird dann eine neue Sau durchs Dorf getrieben …

Schönen Sonntag!