Zum Krähen

Familie Meierlein verbrachte den Osterurlaub auf dem Land: Man hatte sich in der Nähe von Bremen auf einem Bauernhof eingemietet.

Mama Meierlein fuhr schon am Dienstag vor Ostern in aller Herrgottsfrühe los, mit den beiden Töchtern und der Patentante. Papa Meierlein konnte erst am Gründonnerstag abends nachreisen.

In morgendlicher Frische erreichten die Vier nach dreihundert Kilometern ihr kleines, verträumtes Dorf aus typischen Backsteinkaten mit tiefgezogenen Dächern. Begeistert erkundeten sie den Ort. Es gab sogar einen Dorfladen, in dem hausgemachte Marmelade angeboten wurde! Da wollte Mama Meierlein gleich zugreifen! Sie öffnete ihre schwere Handtasche, beladen mit Schlüsseln, Fotoapparat, „Navi“, Handy und… und… und…

Tja, was fehlte, war das Portemonnaie. So ausgebremst hatte sich Mama Meierlein selten gefühlt: Kein Geld. Keine Karte. Kein Mann mit Ersatz. Weit weg von zuhause.

Die gute Patentante bot sich netterweise als Bankfiliale an. Ohne ihre Hilfe hätte Mama Meierlein wieder nach Hause fahren und das Portemonnaie holen müssen oder die Vermieter des Ferienhäuschens peinlichkeitsreich um 50 Euro anpumpen müssen.

Papa Meierlein, dem die Lage gleich über Handy berichtet wurde, nahm es gelassen und lachte fröhlich.

Sechs herrliche Tage später kehrte die gesamte Familie am Ostermontag nach Hause zurück. Beim Auspacken fehlte Papa Meierleins Handy. Das fand er gar nicht lustig. Er schimpfte wie ein Rohrspatz. „Ruf doch dein Handy mal an, vielleicht steckt es ja noch in irgendeiner Tasche“, riet ihm die jüngste Tochter. Gesagt, getan. Doch: Es blieb still im Haus. Da nutzten auch mehrere Versuche nichts.

Ein Viertelstündchen später klingelte das normale Telefon. Die Milchbäuerin aus dem Norden war dran: „Die neu eingetroffenen Feriengäste haben mir gerade ein Handy gebracht. Das hat bei ihnen plötzlich tief im Sofa geklingelt und ihnen einen gehörigen Schrecken eingejagt.“

Nun muss man wissen: Papa Meierleins Handy klingelt gar nicht, es dudelt auch nicht irgendeine Melodie. Es kräht. Lebensecht, laut und durchdringlich wie ein strammer Hofhahn im besten Mannesalter.

Da hatte auch für die Nachmieter der Urlaub mit einem gehörigen Schrecken begonnen!

So etwas möge Ihnen allzeit erspart bleiben, lieb Leserschaft. Stattdessen: Schönen Sonntag!