Alles anders

In den nordrhein-westfälischen Rathäusern gibt es einen neuen Lieblingssatz: „Seit Duisburg ist alles anders!“ Mit „Duisburg“ ist das Jahr 2010 gemeint, das Loveparade-Unglück. Damals kamen zahlreiche friedlich feiernde, junge Leute auf einem ehemaligen Bahnhofsgelände bei einer Massenpanik ums Leben.

Der Duisburger Oberbürgermeister Sauerland tat sich schwer damit, die Ursachen zu finden. Er wurde schließlich aus dem Amt gewählt. Gegen mehrere Beteiligte laufen Verfahren.

Dieser Fall hat anderswo tiefe Spuren hinterlassen. Früher schon gab es bei geplanten Veranstaltungen reichlich Bürokratie und „Genehmigungsangst“. Das ist noch schlimmer geworden. Auch in Hagen wurden alle Prozeduren erheblich verschärft. Die Hasper Ulk-Leute rund um ihren Präsidenten Dietmar Thieser haben zum Beispiel diese Erfahrung in diesen Tagen machen müssen. Seit Jahren mieten sie die Hasper Rundturnhalle von der Stadt an für ihre Hauptveranstaltung zum Auftakt der Kirmes-Session. Doch in diesem Jahr sollten sie plötzlich Bauanträge stellen, spezielle Pläne einreichen und dergleichen mehr. Der Verein mit seinen ehrenamtlichen Vorständlern stand fassungslos vor einem Wust von Forderungen. Wenigstens OB Jörg Dehm hatte ein Einsehen und hat jetzt angeordnet, den Hasper Brauchtumspflegern unter die Arme zu greifen.

Das, was Thieser & Co. kennen lernten, erleben tagtäglich auch kleinere Vereine. Das wird nicht immer gleich an die große Jammer-Glocke gehängt. Doch mancher Ehrenamtler verliert zunehmend alle Lust und Laune, eine Veranstaltung zu planen. Viele schöne Feste werden in Hagen demnächst den Bach runtergehen wie eine alte Milchtüte auf Gottes blauer Volme, so viel ist sicher.

Nun gibt es ja glücklicherweise noch ein Grundgesetz, wo die Versammlungsfreiheit für uns alle GARANTIERT ist. Dazu passt der bürokratische Würgegriff bei der Veranstaltungsplanung natürlich wie Ski-Stiefel zu einem Schwimm-Wettkampf. Hoffentlich prüft bald mal irgendein schlauer Rechtsgelehrter die derzeitige Situation!

Einen weiteren dicken „Rathaus-Bürokraten-Klopper“ behandelte unlängst der Kulturausschuss: Der Garderobendienst fürs Theater muss – befristet für ein Jahr – europaweit ausgeschrieben werden. Europäische Vorschrift. Wenn demnächst im Stadtwald die Eichhörnchen geeicht werden müssen, weil Brüssel das so will, dann machen wir das auch.

Logisch.