Alles fließt

Freund Harald aus Essen ist kein Schmeichler. Lobhudeleien und Schönreden sind nicht sein Ding. Für Hagen allerdings findet er immer wieder herzenswarme Worte. Das liegt natürlich zuallererst daran, dass seine Liebste hier wohnt. Aber das ist es nicht alleine. „Wenn ich nach Hagen reinfahre, dann ist das für mich wie Urlaub“, schwärmt der Ruhrpottler. „Der Blick auf die Wälder und das viele Grün ist unglaublich toll.“

Auch die Innenstadt findet er richtig gut: „Schön gestaltet, nicht zu groß und nicht zu klein. Ihr habt alle Geschäfte, die ihr braucht, und klasse Restaurants und Kneipen.“

Auch der Weihnachtsmarkt hat es ihm angetan: „Der ist richtig gemütlich, und auf den halben Meter Bratwurst freu ich mich jedes Jahr.“ Noch etwas genießt der Mann aus der NRW-Metropole: „Die Luft in Hagen ist um Längen besser als bei uns. Das kann man deutlich spüren.“ Wenn Harald nicht in der Ferne seinen guten Job hätte, wer weiß, vielleicht könnte er sich sogar vorstellen, seine Zelte in der Volmestadt aufzuschlagen.

Die positive Sicht auf unsere Stadt mag so manchen Hagener überraschen, der betriebsblind durch seine Heimat läuft und sie gerne eher durch die Depri-Brille sieht.

Aber nein, wir wollen auch nicht verschweigen, dass der Essener durchaus kritische Aspekte in Hagen erkannt hat: „Die Ampelschaltung – die ist bei euch echt eine Katastrophe! Man braucht ellenlang, wenn man in Hagen mit dem Auto von A nach B will.“

Ein Missstand, den auch die Hagener Verkehrsplaner erkannt haben. Sie starten deshalb jetzt einen Versuchsballon an der Feithstraße – eine „Progressive Ampelschaltung“. Bislang regelt ein starres Programm die Rot-Grün-Phasen, das vor vielen Jahren auf der Basis des seinerzeitigen Verkehrsaufkommens erstellt worden ist. Da sich die Autoströme aber über die Jahre verändert haben und öfter Verstopfung als Fluss angesagt ist, soll der Verkehr nun durchweg erfasst und die Ampelschaltung darauf abgestimmt werden.

Das heißt: In Zukunft sollen die Programme bedarfsgerecht geschaltet werden, sodass sich diese dem aktuellen Verkehrsgeschehen anpassen. So wird der Autofahrer auf stärker belasteten Richtungen durch beispielsweise längere Grünphasen entlastet. Um den Erfolg des Versuchs­projektes zu bewerten, sind Testmessungen erforderlich. Dafür sind bereits an mehreren Lichtsignalanlagen auf der Feithstraße Kameras installiert worden.

„Panta rhei“ – „alles fließt“, sagten die alten Griechen. So wie demnächst auf der Feith­straße. Da darf sich Harald schon mal freuen.

Tilo