Alltagserprobung

Es gibt in Deutschland Rechts-Streitigkeiten, da tobt der Wahnsinn. Die Deutsche Anwaltauskunft berichtet:

Einem männlichen Gefangenen darf das Tragen von Damenbekleidung nicht deshalb verboten werden, weil andere Gefangene ihn angreifen könnten. Das allgemeine Persönlichkeitsrecht berechtigt grundsätzlich auch einen Mann zum Tragen von Damenbekleidung. So entschied das Oberlandesgericht Celle am 9. Februar 2011 (AZ: 1 Ws 29/11 StrVollz).

Die Vorgeschichte: Ein Häftling hatte bei der Gefängnisleitung beantragt, Damenober- und -unterbekleidung kaufen und diese abends auch tragen zu dürfen. Er wollte schon seit längerer Zeit transsexuell sein und eine sogenannte Alltagserprobung als Frau durchführen. Die Oberwärter – und auch zunächst das Landgericht – hatten den Antrag abgelehnt. Die erstrebte Alltagserprobung könne innerhalb einer Haftanstalt nicht sozialverträglich vorgenommen werden.

Außerdem sei der Schutz des Gefangenen vor möglichen Übergriffen anderer Gefangener als wichtiger einzuschätzen als seine „sexuelle Orientierungslosigkeit“. Selbst das Tragen der Damenbekleidung erst abends in der Zelle berge die Gefahr, dass die Sachen von anderen Mitgefangenen entdeckt würden.

Damit wollte sich der Mann – oder sollte Tilo lieber sagen: die Dame – nicht zufrieden geben und zog vor die nächsthöhere Instanz.

Das Oberlandesgericht sah die Sache gnädiger. Eine Alltagserprobung in einer Haftanstalt könne schon deshalb nicht sozial unverträglich sein, weil der Gefangene die Damenbekleidung nach Einschluss und damit ohne Kontakt zu den Mitgefangenen tragen wolle, schlussfolgerten die Richter. Und: „Das allgemeine Persönlichkeitsrecht sowie das spezielle geschlechtliche Diskriminierungsverbot berechtigen grundsätzlich auch einen Mann zum Tragen von Damenbekleidung.“

Also, wenn Herr Frau von Mitgefangenen angedroht würde, sie würden ihm seine Damenbekleidung etwas in Unordnung bringen, dann müsse zunächst Herr Frau geschützt werden und die Täter an die Kandare genommen werden. Erst wenn dies nicht möglich sei, weil der ganze Knast tanzt, wegen Reizwäsche sozusagen, dann sollte die Schote mit den Frauenkleidern verboten werden, lautete das Urteil.

Vielleicht sollte der Einfachheit wegen lieber die Verlegung in einen Frauenknast erwogen werden…

Tilo