Am Fliegenfänger

Wenn ein beliebter und erfolgreicher Fußballprofi die Schuhe an den Nagel hängt, gönnt ihm sein Verein gerne ein Abschiedsspiel. Ähnliches passiert in Wirtschaft oder Politik. Wobei hier das Wörtchen „Spiel“ natürlich durch „Party“ ersetzt werden muss.

Da wollte auch die Hagener Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft („ha.ge.we“) keine Ausnahme machen, als ihr Geschäftsführer Harald Kaerger im Februar in den Ruhestand wechselte. Unter der einfallsreichen Überschrift „HArald.GEht.WEg.“ lud der Aufsichtsratsvorsitzende Timo Schisanowski zur großen Sause ins Osthaus-Museum ein. Schisanowski wörtlich: „Harald Kaerger hat sein ganzes berufliches Wirken mit Engagement und Esprit in den Dienst der Stadt Hagen gestellt und u.a. als Leiter des Rechtsamts und als Geschäftsführer der ha.ge.we viel für Hagen und seine Bürger geleistet und erreicht. Jetzt erwartet ihn der wohlverdiente Ruhestand. Zu seinem Abschied heißen wir Sie willkommen – mit warmen Worten und kaltem Büffet, guten Gesprächen, Getränken und Kulturhäppchen aus Musik und Museumsführungen.“

Hört sich harmlos an, hatte es aber in sich. Jetzt wurde bekannt, das Abschiedsspektakel kostete weit über 30.000 Euro. Verdammt viel Geld für die Tochtergesellschaft einer Pleite-Stadt. Viel Geld auch für ein gemeinnützig daherkommendes Unternehmen.

Was Wunder, dass jetzt Staatsanwaltschaft und Finanzamt die Feier unter die Lupe nehmen. Für Pensionär Kaerger werden die Ermittlungen sicherlich ausgehen wie‘s Hornberger Schießen. Nicht er hat eingeladen, sondern Aufsichtsratschef Schisanowski.

In der Tat hängt der gute SPD-Politiker und Jura-Student Schisanowski „volle Klebe“ am Fliegenfänger. Wenn er wusste, dass die Party so teuer wird, hat er ein Riesen-Problem. Und wenn er ahnungslos tut, hat er erst recht Ungemach an der Hacke – dann wird man ihm mit Recht vorwerfen, seine Aufsichtspflicht verletzt zu haben.

Die schleimige Kiste platscht pikanterweise nicht nur in den NRW-Wahlkampf, sondern auch noch in einen persönlichen Feldzug Schisanowskis. Will doch der junge Mann neuer Unterbezirksvorsitzender der Hagener SPD werden. Am morgigen Donnerstag stellt er sich den Genossen im Hagener Norden vor – da dürfte es einige ungemütliche Fragen geben.

Schisi wird viel Glück brauchen, dass sein Kür-Lauf nicht zum ruhmlosen Abschiedsspiel verkommt.