Balla-balla

Der Basketball bestimmt mit weitem Abstand die Sportszene inmitten von Hagen, logisch. Aber anderswo sieht die Welt ganz anders aus. Nördlich der Ruhr ist es „König Fußball“. Und südlich der Ruhr? Da dreht sich alles um die Schützen.

Hunderttausende ballern zwischen Ennepe und Sieg regelmäßig auf Holz-Scheiben und -Vögel. In zahllosen Sportvereinen organisiert, stellen die Schützen andere Sportarten wie Leichtathletik, Handball, Tischtennis, Reiten oder Schwimmen weit in den Schatten. Und wenn man jene Kimme-und-Kornis dazu zählt, die ihrem Hobby eher in typischen Sauerländer Brauchtumsvereinen nachgehen, hat man eine geballte Bürger-Zahl vor sich. Daran kommt keiner vorbei. Das mag man in Berlin oder in den Metropolen am Rhein als „balla-balla“ belächeln. Es zeugt aber von Ahnungslosigkeit und Überheblichkeit. Und die sind ein gefährliches Pärchen.

Jetzt musste auch die Bundesregierung kapitulieren. Eine neue Schießstandrichtlinie des Bundesministerium des Innern schrieb vor: Beim traditionellen Vogelschießen sollten nur noch Vögel mit einem Rumpfdurchmesser von 8 Zentimetern erlaubt sein. Bislang waren die Vögel 15 Zentimeter dick. Die Schützenvereine sollten also nur noch auf Spatzen schießen statt auf Adler, aus Holz natürlich.

Ein dicker Hund, äh, Vogel. Die oberlehrerhafte Bevormundung aus Berlin rief alle Schützen aus Hagen, Iserlohn, Olpe, Arnsberg und Umgebung auf den Plan. Unterstützt wurden sie von der heimischen SPD-Bundestagsabgeordneten Dagmar Freitag. „Diese neue Vorschrift“, grantelte die Iserlohner Politikerin in einem Brief an den zuständigen Minister Friedrich, „macht eine jahrhundertelange Tradition zunichte.“

Gut geschossen, Frau Freitag! So gut, dass Innenminister Friedrich – als Bayer allen Stammtischen dieser Welt verpflichtet – sogleich einknickte. Seit letzter Woche dürfen die Hagener Schützen und ihre Freunde in Südwestfalen wieder auf fette Vögel schießen. Das Innenministerium hat die umstrittene neue Richtlinie geändert. Es bleibt bei den Schützenvögeln alles beim Alten, 15 Zentimeter Bauchdicke.

Zum Schießen, diese Balla-balla-Geschichte. Zwei Dinge lernen wir daraus. Erstens: Es ist unglaublich, mit was für einem Mist sich unser politischer Betrieb beschäftigt. Zweitens: Als Bürger haben wir alle Macht, uns zu wehren – wenn wir zusammenstehen.

Das Leben ist schön.