Tilo: Bange machen?

Für Tilo gibt es – abgesehen von Westfalen – noch zwei Länder –, für die er so etwas wie Heimatgefühle hegt: England und Italien.

England hat er von seiner persönlichen „Urlaubszielkarte“ schon vor einem Jahr gestrichen – wegen des Brexits. Italien könnte jetzt folgen – wegen der seltsamen politischen Vorgänge im Stiefelland.

Noch vor wenigen Wochen weilte Tilo in Italien, in Kürze darf er wieder dorthin aufbrechen. Ob‘s Unterschiede geben wird? Schließlich waren viele Italiener stinkesauer auf uns Deutsche, weil sie sich von unseren Politikern, Zeitungskommentatoren und Wirtschaftsexperten an den Pranger gestellt fühlten.

Die Italiener seien gewiefte Steuerhinterzieher, die nicht gelernt hätten, mit Geld umzugehen, hieß es hier und da sinngemäß in Deutschland. Der Spiegel schrieb unter der Überschrift „Die Schnorrer von Rom“ gar wörtlich: „Wie soll man eine Nation nennen, die erst die Hand aufhält, um sich ihr schönes Leben von anderen finanzieren zu lassen – und dann ihren Geldgebern droht, wenn diese die Rückzahlung der Schulden anmahnen?“ So oder ähnlich wurden alte Klischees bedient.

Und die Italiener? Sie konterten zum Beispiel mit dem Verweis darauf, dass der Euro ein „deutsches Gefängnis“ für Italien sei. So jedenfalls hat‘s der Deutschland- und Euro-Kritiker Paolo Savona formuliert – er gehört jetzt der neuen italienischen Regierung an und ist zuständig für „europäische Angelegenheiten“. Und der Fünf-Sterne-Parteichef Luigi di Maio sagte Ende Mai, es „könne nicht sein, dass Deutschland über italienische Regierungen entscheidet“.

Das kann ja im Sommer heiter für Tilo und alle anderen deutschen Urlauber werden, oder?

Jenseits aller Beschimpfungen lohnt es sich, mal auf die Fakten zu schauen. Italien ist nach Deutschland und Frankreich – ökonomisch gesehen – die drittwichtigste Volkswirtschaft in der Euro-­Zone. Und leider auch die mit dem schlimmsten Schuldenberg. Dies macht die Staats­chefs der anderen Länder sowieso schon nervös. Jetzt kommen aber noch ein paar Ankündigungen der neuen Regierung hinzu, ihre Anhänger mit allerlei finanziellen Wohltaten beglücken zu wollen.

Norditalien ist eigentlich eine der wohlhabendsten Regionen Europas – durchaus vergleichbar mit Baden-Württemberg. Ganz anders sieht es aber in Süditalien aus. Verarmte Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit – vor allem bei jungen Leuten – herrschen dort vor.

Was heißt das für Tilo? Er lässt sich erst einmal nicht bange machen und freut sich auf sonnige Tage in seiner „zweiten Heimat“.

Tilo